Hauptseminar "Ästhetische Strategien der Entwaffnung" (Matussek, SS 2006)
Historisch-systematische Aspekte:
• Antike Mythen und Rituale der Entwaffnung (Orpheus, Trancetechniken...)
• Antikes Harmonieideal (Platon) und christliches Erschrecken (Augustinus): Was erhöht / was senkt die Gewaltbereitschaft?
• Kontemplative Wirkungen in alter und neuer Kunst.
• Das Schöne in den ästhetischen Theorien Kants und Schillers als Kernelement einer Bildung zur Humanität.
• Gewaltkritik und die Idee der Versöhnung in der ästhetischen Theorie der Moderne (Benjamin, Adorno).
• Sind die Humanismuskritik der Moderne (Heidegger, Foucault) und ihr Ideologievorbehalt gegen das Schöne (Jauß) noch angebracht?
• Warum hat die avantgardistische Ästhetik der Provokation ihren Stachel verloren?
• "Binnendiffusion" als phänomenologische Voraussetzung gewaltfreier Situationen (Hermann Schmitz).
• Entwaffnende rhetorische Figuren (Humor, plural modestatis, captatio benevolentiae, Beschämung, Schweigen etc.).
Medienanthropologische und wahrnehmungspsychologische Aspekte:
• Literarische Formen (Naturlyrik, Bekenntnisliteratur) und Beispiele (Brechts "Freundlichkeit", Ian McEwan) der Entwaffnung.
• Entwaffnende Klänge bei Mozart, Schubert, Alban Berg u.a.
• Warum macht Technomusik mit wachsendem Schalldruck friedlicher?
• Bilder der Entwaffnung (Gérôme: Phryne) und entwaffnende Bilder (Gregory Crewdson).
• Verlangsamung des Blicks im Kino (Tarkowski) und in der Videokunst (Bill Viola).
Interkulturelle Aspekte:
• Theorien und Ästhetiken der Gewaltlosigkeit in indischen und ostasiatischen Kulturen.
• Kulturelle Kodierungen von Gewalt und Gewaltlsoigkeit in der Moderne (Sieferle/Breuninger)
• Muß Kunst provozieren oder Rücksicht nehmen (Karikaturenstreit)?
• Lassen sich Kulturkonflikte ästhetisch schlichten (Reimszene im Helena-Akt von Faust II)?
u.s.w. ...