Protokoll zur Sitzung vom 7.11.2003

 

Veranstaltung: Kulturelle Umbrüche medialer Effekte

Veranstaltungsleiter: Peter Matussek

Datum: 7.11.2003

Uhrzeit: 12.15 Uhr-13.45 Uhr

Ort: Gebäude 23.21 Hörsaal 3E

Protokollführer: Christian Rietz

 

 

Die inhaltlichen Schwerpunkte der Sitzung liegen auf zwei Themen; erstens, der Entstehung und Entwicklung des Internets und zweitens, dem Medientheoretiker Marshall McLuhan und einigen seiner wichtigsten Thesen. Zu beiden Themenbereichen werden Referate und Diskussionen gehalten.

 

Das erste Referat „Einführung des Internet“, vorbereitet durch Marcel Klein und Matthias Wurch, ist in vier Hauptpunkte gegliedert:

 

a)    Entstehung und Entwicklung des Internet

b)    Internet-Boom

c)     Brief vs. e-mail

d)    Zukunft und Aussichten

 

Zu a) Entstehung und Entwicklung des Internet

 

Die Ursprünge der Entstehung des Internets gehen auf die 50er bis 60er Jahre zurück, allerdings kann man das sich damals noch in der Anfangsphase befindliche Internet nicht mit dem uns heute zur Verfügung stehenden Medium vergleichen, da es sich vor allem in seiner Komplexität erheblich davon unterscheidet. Vor 1970 gab es nur sehr einfache Netzwerke, die aus einigen, miteinander verknüpften PCs bestanden, die an eine systemsteuernde Zentrale angeschlossen waren. Wenn PC „B“ also mit PC „C“ kommunizieren wollte, so konnte er dies nur über den Zentralrechner „A“. In dieser Zeit, der Zeit des „Kalten Krieges“, war das Militär besonders daran interessiert Geheiminformation über die Vernetzung der PCs weiterzuleiten. Das damals noch sehr umständliche Prinzip der Vernetzung hatte jedoch den Nachteil, dass bei einer Zerstörung der Zentrale das gesamte Netzwerk in seiner Funktion eingeschränkt bzw. unbenutzbar geworden wäre. Aus diesem Grunde hatte das Militär ein gesteigertes Interesse daran, die Forschung nach einem ausfallsicherem System finanziell zu fördern.

Als Ergebnis wurde um 1970 das sogenannte „ARPANET“ installiert, das im Gegensatz zum bisherigen System dezentral war und somit den Vorteil hatte, dass beim Ausfall eines Punktes des Netzwerks der Rest des Netzes intakt blieb und der weitere Austausch von Informationen so gewährleistet war. Ein weiterer Vorteil war das „packet switching“, mit dessen Hilfe Nachrichten in kleinere „Pakete“ zerteilt werden können, die sich dann unabhängig voneinander Wege durchs Netz suchen und später wieder zusammengeführt werden.

Der eigentliche Vorteil der Ausfallsicherheit entpuppte sich jedoch bald auch als Nachteil, denn durch die Robustheit des Netzes wurde gleichzeitig dessen Kontrollierbarkeit erheblich eingeschränkt.

Das Internet, wie wir es heute kennen, entstand schließlich aus der Zusammenlegung der verschiedenen „ARPANETs“. Diese Zusammenlegung fand durch die ARPA (Zentrale Forschungseinrichtung des Departement of Defence) statt, die die verschiedenen Netzwerke in einem gemeinsamen Netz, dem INTERNET, vereinigen wollte. 1990 war das Internet funktionsfähig, jedoch noch sehr benutzerunfreundlich für Laien. Mit der Einführung von Browsern und der HTML-Sprache durch CERN, sowie der Erfindung des „WorldWideWeb“ (kurz:„www“), wurde das Internet 1993 dann schließlich der Öffentlichkeit freigegeben. Dies war der Auslöser der von da an explosionsartigen Entwicklung des Internet.

 

Zu b) Internet – Boom

 

Stellt man sich die Frage, wer eigentlich das Internet nutzt, so zeigt sich recht schnell, wie unterschiedlich die verschiedenen User und deren Beweggründe sind. Eine wichtige Gruppe stellt sicherlich die der Privatnutzer dar, die das Internet in erster Linie zur Versendung von e-mails oder zum „Chatten“ nutzen. Auf der anderen Seite stehen die Geschäftsleute und Firmen, die sich den schnellen Daten- und Informationsaustausch über das Internet zu nutze machen, des weiteren dieses aber auch zur Werbung bzw. kostengünstigen Präsentation gebrauchen. Eine dritte große Gruppe setzt sich aus Studierenden und Schülern zusammen, denen das Netz eine schnelle Informationsbeschaffung bietet.

Auf die Fragestellung, ob ein Leben heute noch ohne Internet vorstellbar sei, sind die Reaktionen unterschiedlich. Zum einen sei man früher auch ohne Internet zurecht gekommen, zum anderen mache es aber auch vieles leichter und bequemer und daran habe man sich in der heutigen Zeit gewöhnt.

 

Die Betrachtung einer Statistik über die Gründe der Internetnutzung legt schließlich dar, dass 75% der Internet-User dieses hauptsächlich als Kommunikationsmittel betrachten, ca. 65 % es als Dienstleistung in Anspruch nehmen und ungefähr 52 % es zur allgemeinen und beruflichen Bildung benutzen.

 

Untersuchungen über altersspezifische Internetnutzung haben desweiteren ergeben, dass 80% der User 14-19 Jährige sind, ca. 60%  der User zwischen 30 und 39 Jahre alt sind und ca. 50 % der Internetnutzer sich im Alter der 40-49 Jährigen befinden. Die Zahl der über 50-Jährigen ist dagegen nur sehr gering: sie liegt gerade einmal bei 20%.

 

Im weltweiten Vergleich der Internetnutzung liegt Asien an der Spitze, da hier nahezu jeder das Medium Internet nutzt. An zweiter Stelle liegen Kanada und die USA, da hier ca. 80% der Bevölkerung mit der regelmäßigen Nutzung des Internet vertraut sind. Ziemlich am Ende der Statistik befindet sich Portugal, wo sich offenbar nur 10% der Bevölkerung mit dem Internet auseinander setzen.

 

Zu c) Brief vs. e-mail

 

Wie schon erwähnt, wird das Internet zu einem großen Teil zur Kommunikation, also zum Schreiben von e-mails oder zum „Chatten“,  benutzt. Dies hat erheblichen Einfluss auf den Briefverkehr, der damit in vielen Fällen überflüssig geworden ist. Die e-mail hat das Medium „Brief“ bereits in einigen Fällen abgelöst bzw. ersetzt. Dabei hat das Schreiben von e-mails sowohl Vor- als auch Nachteile.

Zu den Vorteilen zählt sicherlich, dass das Verschicken von e-mails erheblich schneller von statten geht, als das Verschicken eines Briefes. Dabei sind zudem größere Anhänge (z.B. Bilder, Audio- und Videodateien usw.) möglich, es ist kostengünstiger und es besteht die Möglichkeit, sich gleichzeitig an mehrere Adressaten zu richten. Formell ist eine fast mündlich-verbale Kommunikation möglich.

Nachteile hingegen sind, dass der Kontakt über e-mails meist recht unpersönlich und unüberlegter als schriftliche Kommunikation ist. Außerdem besteht hier die Gefahr, sich grammatisch unkorrekt auszudrücken, was u.a. auch durch die Einführung bestimmter „Verdummungsvokabeln“ (z.B. *grins*; *freu* usw.) geschieht. In vielen Fällen wird jedoch vor allem die Gefahr des Missbrauchs durch Spammails und Werbung sowie die Möglichkeit der Versendung von Computerviren unterschätzt.

 

Zu d) Zukunft und Aussichten

 

Als Zukunftsaussicht für die Entwicklung des Internet wird vor allem weiterer Ausbau und Wachstum prognostiziert. Dabei wird sich vor allem die Verbindung des Internet mit anderen Medien wie Fernsehen oder Handys (WAP-Technik) verstärken. Aber auch Entwicklungen, wie „Intelligente Häuser“, die sich über das Internet verwalten lassen und der Ersatz von Telefonleitungen durch den verstärkten Einsatz des kabellosen Internet scheint als Zukunftstendenz durchaus vorstellbar. Alles in allem übersteigen die allgemeinen Nutzungsmöglichkeiten bei weitem die möglichen Bedrohungsfaktoren, die sich durch das Internet ergeben, so dass einer Weiterentwicklung nichts im Wege steht.

 

 

Im zweiten Teil des Sitzung befassen wir uns mit Marshall McLuhan, einem der bekanntesten Theoretiker des Medienzeitalters,  und dessen Ansichten über Medien, mit denen McLuhan die Welt seinerzeit schockierte. Das Referat zu diesem Thema wird von Julien Renard gehalten und ist im Wesentlichen in fünf Abschnitte gegliedert:

 

  1. Biografie Marshall McLuhans
  2. „Medium is the message“
  3. „Extension des Menschen“
  4. „Kalte und heiße Medien“
  5. „Global Village“

 

zu 1.) Kurzer Abriss der Biografie Marshall McLuhans

 

Marshall McLuhan wird am 21.7. 1911 in Kanada geboren und studierte von 1928-1934 Master of Arts an der University of Manitoba. Nach seinem Studium heiratete er Corinne Keller mit der er sechs Kinder bekam und wurde einige Jahre später Professor für Literatur an der Universität von Toronto. Einige seiner wichtigsten Veröffentlichungen sind „Understanding Media“ (1964) und „The Medium ist the message“ (1967), die zu einer der meist zitiertesten Aussagen über die Wahrnehmung und Wirkungsweise von Medien wurde. 1980 starb McLuhan an den Folgen eines Herzinfarktes. 

 

zu 2.) „Medium ist the message“

 

Diese Aussage wird zunächst am Beispiel „Eisenbahn“ erläutert, um sie etwas anschaulicher zu machen: nach McLuhan ist die Eisenbahn nicht zum Reisen erfunden worden, sondern als Möglichkeit, das Reisen zu verbessern, d.h. Distanzen zu verkleinern und den Transport zu beschleunigen. Bezieht man dieses Beispiel auf das Medium Internet, so lässt sich sagen, dass dies die Kommunikation verbessert (z.B. durch e-mails), aber auch eine erhebliche Verkürzung des Raumes darstellt. So können beispielsweise Menschen die sich zur selben Zeit in Asien und Europa befinden miteinander kommunizieren; der Raum wird im Internet also auf Null gesetzt. Somit leistet das Internet u.a. auch einen Beitrag zur Globalisierung. McLuhan ist der Auffassung, dass das Internet den Menschen nicht durch seine Inhalte verändere, sondern allein durch die Kommunikationsform, die es ermöglicht.

 

 

 

zu 3.) „Extension des Menschen“

 

McLuhan sieht die uns zur Verfügung stehende Technologie als Organerweiterung; seiner Meinung nach benutzt der Mensch Werkzeuge als eigene Organe. So stellt ein Hammer beispielsweise für McLuhan eine Verlängerung des menschlichen Arms dar, das Rad den verbesserten Fuß usw. Computer ergänzen nach McLuhan das zentrale Nervensystem des Menschen. Dies lässt sich so auffassen, das durch das Internet z.B. eine Erweiterung unserer Sinne stattfindet, da es die Welt für uns erfassbarer macht. Mensch und Technik sind demnach nicht zwei Größen, sondern eine Einheit. Menschen werden erst zu Menschen, da sie Medien gebrauchen und sind ohne diese „Werkzeuge“ unvollständig.

 

zu 4.) „Kalte und heiße Medien“

 

McLuhan teilt Medien in „kalte“ und „heiße“ Medien ein. Dabei erfordert der Gebrauch eines „kalten Mediums“ seiner Definition nach eine hohe, persönliche Beteiligung desjenigen, der es benutzt; es sind mehrere Sinne zur Erfassung notwendig. So ist für ihn z.B. das Fernsehen ein „kaltes Medium“, da es sowohl Augen als auch Ohren anspricht. Radio und Bücher hingegen bezeichnet er als „heiße Medien“, da deren Inhalte jeweils nur ein Sinnesorgan, also entweder Ohren oder Augen, ansprechen.

Versucht man, das Internet in eine dieser Kategorien einzuordnen, so fällt auf, dass dies nicht so ohne weiteres möglich ist, da man das Internet zum einen zum Lesen nutzen kann, andererseits aber auch, um Musik zu hören oder Videos zu schauen. Es kommt also auf die Benutzung des Mediums und dessen Gebrauchskontext an.

 

zu 5.) „Global village“

 

In diesem Buch beschreibt McLuhan die Auflösung von Raum und Zeit durch die Vernetzung der Gesellschaft, durch die es uns möglich wird, gleichzeitig an verschiedenen Orten zu kommunizieren oder z.B. durch das Fernsehen, Bilder und Nachrichten aus der ganzen Welt zu empfangen. Die Welt wird also zu einem „globalen Dorf“.  

 

 

 

 

Thema der Sitzung am 14.11.2003 wird die „medientechnische Entwicklung der Zukunft“ sein, die vor allem in der Phantasie der „Science fiction“ vorausgezeigt wird.

 

Die nächste Sitzung findet am 14.11.2003 in Gebäude 22.01, Hörsaal 2C statt.