Veranstaltung: Kulturelle Effekte medialer Umbrüche Dozent: Peter Matussek
Thema: Geschichte des www, Global Village Sitzung vom 7.11.2003
Verfasser: Alexander Böhm (1614181)
Protokoll:
Zu Beginn der Sitzung ging Herr Matussek noch einmal auf das Raumproblem ein,
und erklärte, wie man in seinem Proseminar einen Schein erwerben kann.
Anschließend wurde von 2 Kursteilnehmern ein Referat zum Thema "Geschichte
des www" gehalten. Zunächst wurde die grobe Gliederung des Vortrags
vorgestellt. Einleitend gingen die Referenten auf die Geschichte und die
Entwicklung des Internets ein.
So wurde erwähnt, dass es bereits in den 50/60er Jahren
erste Bestrebungen gab, Computer zu vernetzen. Demnach bestand schon vor 1970
ein Kommunikationssystem, allerdings mit nur einem Zentralrechner, was zur
Folge hatte, dass bei einem Absturz des Rechners das gesamte Netzwerk zusammen
brach. Soweit war dies also noch keine ideale Lösung. Das Militär, das gerade
zu Zeiten des Kalten Krieges sehr an einem schnellen Informationsaustausch interessiert
war, investierte nun viel Geld in die Forschung, um ein ausfallsicheres
Netzwerk zu entwickeln. Daraufhin wurde 1970 das sogenannte
"Arpanet", ein dezentrales Netzwerk mit vielen Knotenpunkten, in den
USA installiert. Seine Nutzung beschränkte sich jedoch noch auf die Forschung
und das Militär. Anschließend wurde das "Arpanet" immer weiter
verbessert und ausgebaut. 1973 rief man dann ein Internet-Programm ins Leben,
mit dem Ziel, auch verschiedenartige Netzwerke in einem einzigen Netz zu
integrieren.Bis 1990 war dieses Netz entwickelt und funktionsfähig, jedoch noch
sehr benutzerunfreundlich. Das Arpanet ging "offline". CERN (Europ. Institut für
Kernforschung) entwickelte nun HTML setzte "Browser" ein und erfand
das „www". Folglich war von nun an der Gebrauch des Internets losgelöst
von verschiedenen Programmen und Systemen. 1993 macht CERN das „www“ auch für
die Öffentlichkeit nutzbar. Dies war die Grundvoraussetzung für die explosionsartige
Vergrößerung des „www“.
Im nächsten Punkt der Gliederung gingen die Referenten auf die potentiellen
Nutzer des Internets ein. Hierbei wurde nach Vorschlägen in die Runde gefragt.
Zur Sprache kamen Studenten, Firmen, Privatnutzer und Geschäftsleute.
Anschließend wurden einige Zahlen erwähnt, die den "Internetboom"
verdeutlichten. So verfügten im 1. Quartal 2003 in der BRD bereits 16 Mio.
Haushalte über einen Internetzugang, das sind 43% aller Haushalte. Führend in
Europa sind die Niederlande mit 66%. In Kanada und den USA besitzt jeder zweite
Haushalt einen Zugang. Des weiteren wurde erwähnt, dass in der BRD 80% der
14-19-jährigen das Internet nutzen.
Die Referenten nannten nun Zahlen einer Umfrage, wonach 75% der Befragten das Internet
für e-mail nutzen. 65% nutzen das Internet für den Konsum und 42% für die allgemeine
und berufliche Bildung.
Als nächstes verglichen die Referenten den Brief mit der e-mail und befragten
auch hierzu die Zuhörer. Als Vorteile der e-mail gegenüber dem Brief wurden die
schnelle Übermittlung, die vergleichsweise günstigen Kosten, der Versand an
mehrere Adressaten gleichzeitig und
die Möglichkeit von "Attachements" genannt. Als Nachteile wurde
erwähnt, das eine e-mail unpersönlich, oft unüberlegt und verbal sei.
Desweiteren bestehe die Gefahr des Missbrauchs, etwa durch Viren oder SPAM.
Als letzten Punkt gingen die Referenten auf die Zukunft und die Aussichten des
„www“ ein. Hierbei wurde vorgetragen, dass das WAP-Netz sich weiter verbreiten
könnte, es in geraumer Zeit intelligente Häuser (z.B. selbstregulierende/
ferngesteuerte Heizung) und kabelloses Internet geben werde und Internet und TV
miteinander verschnmelzen könnten.
Die Referenten kamen am Ende Ihres Vortrags zu dem Fazit, dass das Internet
immer weiter wachsen wird, da die allgemeinen Nutzungsmöglichkeiten viel größer
seien, als mögliche Bedrohungsfaktoren.
Anschließend
folgte ein Referat zum Thema "Global Village" (Marshall McLuhan).
Der Referent begann mit einem kurzen Einblick in die Biografie von Marshall McLuhan.
Der 1911 in Kanada geborene Medientheoretiker veröffentlichte unter anderem die
Bücher "Die Gutenberg Galaxis"(1962), "Understanding Media"
(1964), "The Medium Is The Message" (1967) und 1989 "Global
Village" (geschrieben mit Bruce Powers).
Der Referent ging im folgenden zunächst auf die Aussage McLuhans ein, wonach
das Medium die Botschaft sei. In bezug auf das Internet bedeute dies, dass das
Internet die Kommunikation vereinfacht habe und faktisch eine Weiterentwicklung
des Briefes sei. Jedoch habe sich hierdurch nicht die Kommunikation verbessert,
sondern lediglich eine Verkleinerung des Raumes stattgefunden. Alle
Beteiligten seien nun unabhängig vom Ort auf einer Ebene. Es verändere den
Menschen insofern, da sich zwar nicht die Inhalte änderten, jedoch aber die
Kommunikationsform. Dies bedeutet allgemein, dass es nicht um den Inhalt geht,
den ein Medium transportiert, sondern um die Form und Beschaffenheit, auf welche Art ein Medium Veränderungen
erzielt.
Nun
ging der Referent auf die These der "Extension des Menschen"
(McLuhan) ein, d.h., dass die Technologie quasi eine
"Organerweiterung" des Menschen sei, sowie z.B. auch das Rad für den
Fuß. McLuhan sieht das zentrale Nervensystem durch den PC erweitert, was der
Referent zur Diskussion stellte. Hier gab es weitgehende Zustimmung, insofern
der PC die Sinne und das Gedächtnis des Menschen erweitere, und ihm z.B.
Rechenleistungen abnehme.
Weiterhin wurde die These von den kalten und den heißen Medien vorgestellt.
So böten kalte Medien nur wenige Details und optisches Informationsmaterial, weshalb eine hohe persönliche Beteiligung erforderlich sei und mehrere Sinne angeregt werden müssten (Beispiele: Telefon/TV). Demgegenüber böten heiße Medien viele Daten, wodurch sie eine große Informationsmenge darstellten, folglich werde bei ihnen nur ein Sinn angeregt und eine geringe persönliche Beteiligung sei von Nöten (Beispiele: Radio/Buch).
Über die genannten Beispiele wurde im Anschluss diskutiert, da sich die
Meinungen hier teilten.
Der Referent warf nun die Frage auf, wie das Internet eingeordnet
werden solle. Der Kursus kam zu dem Fazit, das eine genaue Einordnung nicht
möglich sei, da es auf den User ankomme, wie er das Medium nutze, d.h. liest er
z.B. nur Texte, oder schaut er sich Animationen an oder hört er Onlineradio.
Als letzten Punkt seiner Ausführungen widmete sich der Referent der These vom
"Global Village" (McLuhan). Demnach überwinde die elektronische
Vernetzung Zeit und Raum, Distanzen aller Art würden somit aufgehoben, und die
Welt zu einem Dorf zusammengezogen.
Im Anschluss an das Referat griff Herr Matussek noch einmal den Begriff der
Extension auf. So gehe McLuhan davon aus, das Mensch und Technik sich
ergänzten, der Mensch ein unvollständiges Mängelwesen sei, welches verschiedene
Werkzeuge brauche, um sich auf der Welt zurecht zufinden. Durch diese Werkzeuge
werde der Mensch viel stärker geformt als durch die übermittelten Inhalte,
womit McLuhan seine These "the medium is the message" erkläre.
Am Ende dieser Ausführungen
schloss Herr Matussek die Sitzung.