Tampons

Krankenschwester

 

Die Ästhetik der Medikation

Konzept

Es gibt vielfältige ästhetische Aspekte der Medikation, die ich mit diesem Referat hier zur Diskussion stellen werde.

und es gibt angesichts der kulturell vorhandenen Materialfülle auch die Möglichkeit eines Werkes:

eine Ästhetik der Medikation,

die noch zu schreiben wäre und von der ich glaube, daß sie gewichtig wäre.

Im Negativen des noch nicht Vorhandenen spricht auch Peter Weibel von einem möglichen, noch zu schreibenden Werk:

Ich möchte Weibels Vorschlag hier nennen und gleichzeitig variieren (ich glaube auch, ihn damit zu verbessern):

Weibel plädiert in mindesten zwei verschiedenen Texten (in Kunst machen, S.64 und _______ ) für einen noch zu schreibenden Text (nach Foucault) und der Titel des noch nicht geschriebenen Textes bleibt deshalb hier am wichtigsten : "Die Geburt der Galerie aus dem Geist des Gefängnisses" nennt Weibel das imaginäre Projekt. Doch fassen soll es reale Verhältnisse.

Angesichts der Zelebrierung klinisch-steriler Galerieräume weltweit dürfte der Text meiner Meinung nur den Titel: "Die Geburt der Galerie aus dem Geist der Klinik" tragen.

Doch dann leide ich in modernen Galerieräumen nicht unter Beklemmungen wie Weibel sondern bin von ihnen fasziniert.

Die gleiche Faszination habe ich für Pillen und Tabletten.

 

{Weibel in Digitaler Schein:

"So könnten wir aus einem fiktiven Nachlaß von Foucault ein Buch mit dem Titel >Die Geburt der Galerie< herausgeben, welches jenes System der Macht beschreibt, das über Kunst und Nicht-Kunst entscheidet. Wir sehen durch die Aneinanderreihung der verschiedenen Geburtsorte Klinik, Gefängnis und Galerie, in welche gefährlichen Nachbarschaften sich die Kunst begeben hat und befindet. Klinik, Gefängnis, Galerie sind die Geburtsstätten symbolischer Ordnungen, welche höchst effektive Systeme der Macht darstellen. --- Klinik, Gefängnis, Galerie sind drei verschiedene Namen für ein und denselben Ort des Seins.}

 

- um in Berlin einen Eindruck von der weiten Welt zu erlangen, muß, bis die gerade entstehenden Galerieräume des südlichen Friedrichstraße fertiggestellt sind, noch nach Charlottenburg gereist werden, so daß die Boheme des Scheuenenviertels mit ihren kunsthistorischen Atavismen für einen Moment aus dem Blickfeld der Kulturwissenschaftler verschwinden kann -

 

Doch nach diesen hochgestochenen Worten zunächst zu einem Überblick über die verschiedenen Medikationsformen. Was letztendlich hier ein Überblick bleiben muß, könnte um noch ein letztes Mal vom Imaginären zu sprechen eine Sammlung von Einzelstudien notwendig machen. Das würde dann neben ästhetischer Spekulation noch so etwas wie Empirische Kulturwissenschaft (vielleicht nach einem Tübinger Modell) möglich machen.

 

Eine Auflistung verschiedener Medikationsformen umfaßt:

 

 

 

ein mögliches Panoptikum einer pharmazeutischen Visualität

einschließlich Bemerkungen zu pharmazeutischer Rhetorik

 

Ich bewege mich also wie das Seminar im allgemeinen zwischen notwendiger Materialsammlung und Versuchen zu ästhetischen, bzw. kulturtheoretischen

Erwägungen - Von der Materialsammlung im Seminar habe auch ich profitieren können

 

Versuch meiner Einzelstudien Tampon/ Krankenschwester

 

Anita Gratzer Human Time Anatomy

in der Vorlesung Wahrnehmung des Monströsen

 

 

 

Medikation durch den Arzt, durch die Krankenschwester

 

- Übergang zu

 

Werbung

 

Metaphorik des Hammers, der antiken Skulptur

 

 

quasi

Rohstoffe einer pharmazeutischen Ästhetik

um dann zur Weiterverarbeitung, zum Raffinieren (zur Raffinage, zum Raffinement) dieser Rohstoffe

oder auch zur

 

Metabolisierung pharmazeutischer Inhalte in der Bildenden Kunst zu gelangen

in anderen Kulturen

so auch auf dem kulturellen Nährboden der Subkultur

 

 

Formen der Medikation: Arzneiformen:

 

Simplicia (Einfach-Arzneimittel):

- Vegetabilia

- Animalia

- Mineralia

 

 

- Anorganika

- Organika

- Galenika (Galenik)

 

 

geschichtliche Entwicklung der Gerätschaften

Toellner, S. 1715:

Pflanzliche Drogen, die man jahrhundertelang als Heilmittel vorzog, wurden zerstoßen, kleingeschnitten oder pulverisiert, ... . Die dazu nötigen Mörser und Stößel aus verschiedenen Werkstoffen (Eisen, Bronze, Stein, Achat) kannte man schon im alten Ägypten, und die Erfindung des Siebs datiert schon aus der Zeit vor Plinius.

 

Homöopathisches Gerät in Toellner Kapitel zur Homöopathie Abb.:

 

 

 

Pulver

=>PULVIS

Getrocknete Drogen oder Präparate, in verschiedenen Feinheitsgraden, wie grob (Pulvis grossus), fein (P. subtilis), sehr fein (P. subtilissimus; hierfür war bis ins 16. Jh. die arab. Bezeichnung alcool oder alcohol gebräuchlich). - Drogen wurden im Mörser zerstoßen; größere Apotheken beschäftigten hiermit extra einen Laboranten, Stößer genannt. Trennung von Pulvergraden durch verschieden feine Siebe.

2. Pulvermischungen ...

 

Puder

innerlich - äußerlich

 

flüssige Verabreichungsformen

 

Tee

im alten Ägypten als ausgezeichnetes Medikament

die einfachste Zubereitungs- und Darreichungsform

Heute weitgehend zur Selbstmedikation

Aufguß

siedendes Wasser wird über die meist pflanzlichen Drogen gegossen

einen Aufguß nennt man auch einen Infus (lat. infusum=aufgegossen)

Verabreichung der Medikation durch den Menschen:

Studien über die Hand des Arztes - Fachbegriff: Palpation, palpativ

Perkolation

kontinuierliches Auswaschen der Wirkstoffe

Mazeration

Erweichen der Droge in Flüssigkeit

Dekoktum (Plur. Dekokte)

temporäres Abkochen der Droge

 

 

Aufbereitung als Trank:

 

Mittelalter:

gewürzte Honiggetränke - der Met

 

Elixiere und Tinkturen

 

in der Homöopathie: Urtinktur zur Herstellung der Verdünnungen ("Dilutionen")

 

 

Möglichkeit der Konzentration des Wirkstoffes

 

 

breiartige und feste Darreichungsformen

 

 

Linimente

dickflüssige Arzneimittel

 

Honig

Pasten

Latwerge (Sing. eine Latwerge)

"Zu ihrer Herstellung versetzte man sehr fein pulverisierte Drogen mit Honig oder einer Honigzubereitung, später auch mit Sirup."

Aus Pasten geformte Stangen

"Die Latwerge formte man zu bohnen- oder nußgroßen Kügelchen, die sich mit ein wenig warmen Wein noch angenehmer schlucken ließen." Toellner, S. 1718

 

"Indem man die Honigmenge verringerte, konnte man anstatt der Latwergen Pillen bereiten und sogar Pastillen, d.h. kleine gepreßte Pillen, die man unter die Zunge schob."

 

 

feste Verabreichungsformen

oral

 

Pillen, Tabletten, Kapseln, Dragées

 

Verwendung des Wortes Pille:

heutzutage vor allem als Anti-Baby-Pille

 

früher war die vom Apotheker gerollte Pille das eigentliche, moderne Arzneimittel

Toellner, S. 1719:

"Scribonius Largus kannte im 1. Jahrhundert zumindest die Aloepillen, und im

11. Jahrjundert fiel Avicenna ein, daß man sie vergolden oder versilbern könnte. Durch das >Antidotarium des Nicolaus< wissen wir, daß im Mittelalter mehrere Pillenarten gebräuchlich waren: pilulae aureae, pilulae sine quibus usw."

Die Pille war lange der Prototyp aller festen Arzneimittel.

 

Erfindung einer kleinen Pillenmaschine im 16. Jahrhundert

mehrfache Verbesserungen im 19. Jahrhundert:

"Mit diesem Gerät fertigte man aus der Pillenmasse einen Strang, den man in gleiche Portionen teilen konnte. Neben den verordneten Wirkstoffen bedient man sich bei der Pillenherstellung eines oder mehrer Hilfsstoffe, damit das Medikament die richtige Konsistenz bekommt und sich andererseits nach dem Einnehmen leicht im Verdauungstrakt auflöst."

 

In einem von Nietzsches frühen Briefen (Coli-Montenari-Ausgabe, Briefwechsel, Register: "Strauß") äußert er sich dediziert über seine geistige Ernährungsweise: nach dem Mittagessen werfe er sich die Straußsche Pille ein. Damals schätzte er den Theologen und Schriftsteller David Strauß noch, die Straußsche Pille am Nachmittag war ihm zu dem Zeitpunkt eine Wohltat. Später polemisierte er heftig gegen ihn. Nietzsches späteres "Philosophieren mit dem Hammer" werden wir noch in der Pharmawerbung wiedertreffen.

Auch das dem Theologen Strauß nahe Fachgebiet - die geistige Ernährung - findet sich wieder in der Gestalt Jesu Christi als Apotheker.

Zusätzlich möchte ich behaupten, daß der Tablette eine ambivalente Aura beiwohnt, die sie zu einer "modernen" Hostie macht.

 

Pillenästhetik

 

"Einer flog über das Kuckucksnest"

Pillenausgabe - Pillenverweigerung

 

Bittere Pillen (das Buch als Arzneimittelratgeber ein Verkaufsschlager mit irreführenden Titel für eine medizinhungrige, deutschsprachige Bevölkerung)

 

heute bitterer Beigeschmack

durch Arzneimittelskandale

die Contergan-Affäre

der SMON-Skandal in Japan

- Überdosierung + falsche Werbung: Darmreinigung (eine bei uns schon vergangene, kulturelle Mode)

 

Buchtitel:

Christine Sengypla, Peter Grob, Hans Skissi (1992)

Natur in Pillen und Tropfen - Naturheilmittel, ein kritischer Ratgeber für die Bundesrepublik. München: dtv.

(1985) Die besseren Pillen - Gesundheit durch natürliche Medikamente und Heilmethoden. München: Mosaik Verlag.

 

Wörterbuch der Pharmazie 4 Geschichte der Pharmazie:

Eintrag unter "Pilulae":

Pillen, Katapotiae; sehr große Pillen heißen Boli (Tiermedizin), sehr kleine Granulae. Seit Antike gebräuchliche Arzneiform zum Einnehmen. Herstellung typisch für Apothekertätigkeit bis Ende 19. Jh. (Spottnahme des Apothekers: Pillendreher). Dann weitgehend verdrängt durch Tabletten und Dragées in maschineller Großfertigung.

- Um das Zusammenkleben zu verhindern wurde die Pillen bestreut, seit Anfang 19.Jh. bes. mit Bärlappsamen (Lycopodium).

 

Massae vorbereitete Massen

 

z.B. Massa Pilularum (Mischung von Süßholzsaft und -wurzel) zur Herstellung als Grundlage der verschiedenen Pillenarten

 

Tabletten

Stille, S. 138: Terra-Sigillata-Tablette + Herstellgefäße

mineralienhaltige Siegelerde (bolus alba) und andere Erden

Lx. d. Ph. 4, S. 270: Eintrag + Abb.:

"Siegelerde". Pharm.: Größerer, tablettenähnlicher Preßkörper aus Ton (rot und weiß, Bolus rubra und B. alba), der mit einem Herkunftsstempel gesiegelt ist. Schon in der Antike von der Insel Lemnos in den Handel gebracht; sie galten als giftwidrig. Später kamen viele andere Herkunftsstätten auf (z.B. Türkei, Schlesien). Die Pharmakopöen verzeichnenten bis zum 18. Jh. mehrere Sorten (5 in Ph. Würtemberg 1741), dann verschwanden sie daraus. Der Ton, bes. der weiße, blieb jedoch bis zur Gegenwart pharmakopöe-üblich."

G. d. Ph. in K. u. K , S. 34 mit Abb.:

"Terra sigillata (gesiegelte Erde) war fetter Ton von den griechischen Inseln Lemnos, Melos und Samos, der Kieselerde, Aluminiumoxid, Kalk, Magnesia und etwas Eisenoxid enthielt. Er wurde zu größeren tablettenähnlichen Tafeln gepreßt und mit einem Herkunftsstempel gesiegelt. Salmon rühmt Terra sigillata als >trocknend, bindend, schweißtreibend, als Alexipharmakon, das Pest, Gift, Fäulnisund alle Arten von Malignität und Giftigkeit abzuwehren vermag< und führt eine beträchtliche Zahl spezifischer Anwendungen auf."

Bildunterschrift:

"Terra sigillata (gesiegelte Erde) aus Lemnos, Griechenland; der mineralreiche, fette Ton galt in ganz Europa bis zum 17. Jahrhundet als heilkräftig gegen Gifte, Ruhr, Fieber und andere Erkrankungen. Die Täfelchen (hier mit türkischen Schriftzeichen) wurden mit Herkunftssiegeln gestempelt" im M. d. Ph. Basel

 

- British Museum:

kleine Preßscheibchen

 

Toellner, S.1697:

"Tonerden, nämlich die sogenannten Siegelerden, wandte man von alters her wegen ihrer absorierenden, fäulniswidrigen Eigenschaften an. Bevor sie in den Handel kamen, stempelte man ihnen ein Siegel (lat. sigillum) auf.

Der Armenien-Bolus, ein rotbrauner, ockerhaltiger Ton, genoß großes Ansehen.

 

 

 

Lx. d. Ph. 4, S. Eintrag zu Trochisci:

Plane Scheibchen, zur Darreichung trockener Arzneistoffe. Häufige Grundmasse Zucker, als Bindemittel Schleim, Gummi

Trochisci Viperini: gesiegelte Scheibchen aus getrocknetem Schlangenfleisch

 

Lx. d. Ph. 4, S. Eintrag zu Theobroma:

Mischung mit Schokolade

 

Toellner, S. 1719:

"1843 erhielt der Engländer William Brockedorn ein Patent auf die >Herstellung von Pillen ... durch Kompression< und hatte damit die ersten Tabletten geschaffen {?} (in Frankreich heißen sie bezeichnenderweise >comprimés<). Die Tablettenpressen hat man mittlerweile so gründlich verbessert, daß sie heute in einer Stunde über hunderttausend Tabletten ausstoßen können." ... paraphase: wird heute die Hälfte der Arzneimittelproduktion in dieser Darreichungsform angeboten.

Toellner, S. 1720:

"Der große Erfolg diese Darreichungsform ist in Anbetracht ihrer zahlreichen Vorteile bezüglich der Wirkstoffdosierung und Haltbarkeit durchaus gerechtfertigt. Nicht zuletzt beruht die Beliebtheit der Tablette auch auf ihrer äußerlichen Varierbarkeit, so kann sie sich z.B. als Brausetablette, Sublingualtablette, Dragee, Manteltablette, Manteldragee usw. präsentieren."

 

Elbert, S. 90/93 Vibra-Tabs Tablettendesign

 

Begriff des "tabloids"

Shorter English Dictionary: auch tabloid newspaper: information in condensed form

 

Oblatenkapseln

Toellner, S. 1720:

Seit dem 19. Jahrhundert reichte man bestimmte Arzneien in einer Umhüllung dar, die samt dem Inhalt zu schlucken war. 1853 hatte der Lyoner Apotheker Guillermond vorgeschlagen, plattgedrückte Pillen in eine Kapsel aus zwei Scheibchen ungesäuerten Brotes mit einem Durchmesser von je 20 mm zu stecken. Seine >Oblatenkapseln< waren zwanzig Jahre später vollständig in Vergessenheit geraten, als Stanilas Limousin wieder auf die Idee zurückkam, um diesmal nicht eine Pille, sondern ein Pulver hineinzugeben. >Zwie runde, am Rande flache und in der Mitte konkave Scheibchen aus ungesäuertem Brot, bestimmt zur Aufnahme fester Arzneimittel< : so wird die Oblatenkapsel in der >Pharmacopée< beschrieben. Limousin erfand hierzu eine von ihm selbst noch mehrfach verbesserte Kapselmaschine und einen >compresso-doseur< zum Einfüllen des Medikaments. Dies waren die Vorläufer aller folgenden Kapselmaschinen.

(heute nur noch in manchen Apotheken Frankreichs benutzt)

 

 

Gelatinekapseln

Toellner, S. 1721:

"Diese Darreichungsform erfand der Franzose François Mothes, der 1934 {?} Inhaber eines Patents auf ein >Instrument zur Herstellung von Gelatinekapseln< wurde; sein Apparat erwies sich als recht mangelhaft, und so meldete der Erfinder bald ein Zusatzpatent auf die von ihm entwickelten Verbesserungen an.

Auch in anderen Ländern, selbst in den USA, erntete die Kapsel Erfolg. Viele Erfinder machten sich daran, immer perfektere Maschinen zu bauen."

 

Zweiteilige Kapsel

1846 erfand der Pariser Apotheker Jules-Cèsar Lehuby einen neuen Kapseltyp. Man erteilte ihm ein Patent auf >zylindrische Medikamentumhüllungen von beliebiger Größe, bestehend aus zwei Fächern oder Hülsen, die sich schachtel- oder etuiförmig ineinanderstecken lassen.<

Man unterscheidet heute (abgesehen von den Oblatenkapseln) folgende Kapseltypen:

- Die weichen Kapseln. - Sie sind meistens eiförmig, zuweilen aber auch kugelrund (Perlen) oder zylindrisch. Ihre relativ dicke Wand besteht im allgemeinen aus Gelatine, Glyzerin und Wasser und soll im Verdauungstrakt zerfallen. Solche Kapseln sind vor allem für flüssige Arzneien bestimmt.

- Die steifen Deckelkapseln. - Im allgemeinen bestehen sie aus reiner Gelatine. Man steckt sie aus zwei zylindrischen Hülsen mit leicht abweichendem Durchmesser zusammen und füllt sie normalerweise mit Pulvern. Sie eignen sich sehr gut für die Arzneibereitung in der Offizin. Wie die Oblatenkapsel erleichtert diese Darreichungsform die Einnahme unangenehm schmeckender Heilmittel, aber im Gegensatz zur erstgenannten läßt sie sich auch sehr vorteilhaft industriell fertigen. Die Kapsel ist heute neben der Tablette die gebräuchlichste feste Darreichungsform.

 

 

eingekapselt

durchsichtige Kapseln, mit kleinen Kügelchen im Innern

 

Wirkungskraft im Inneren: Shampoo, das die geöffnete Kapsel als visuelle Metapher für konzentrierte Wirkungskraft benutzt

 

Haarspülung, die als Portionierungs- und Anwendungsform, die Kapsel benutzt

 

 

 

 

Retard-Kapseln

- zeitliche Verzögerung der Wirkung, timing

 

Dragées

süße Hülle -

Verwendung der Maschinen aus dem Konditorhandwerk für Dragées

Das Überziehen mit Gold- oder Silberfolien war schon im Mittelalter bekannt (Avicenna). Überzüge zur Geschmacksverbesserung wurden seit dem 17. Jh. empfohlen. Besondere Bedeutung erlangte dabei der Zucker. Die Technik französischer Konditoren, "Dragees" herzustellen, wurde seit Mitte 19. Jh. auf Pillen übertragen. (Dragiermeister seit etwa 1850, Dragierkessel seit 1866 für pharm. Fabriken.) (Wörterbuch der Pharmazie: Geschichte der Pharmazie).

 

 

Globuli

"Globuli sind Saccharosestreukügelchen, die durch Befeuchten mit flüssigen Potenzen im Verhältnis 1+100 hergestellt werden. Sie tragen stets die Potenzzahl der verwendeten Dilution." (P.T.A. Geschichte der Homöopathie, S. 18)

 

von Hahnemann in der Konditorei als geeignetes Trägermaterial für homöopathische Arzneimittel entdeckt

 

 

 

 

flüssige einspritzende Verabreichung

 

"Einspritzung" Eintrag im Meyer von 1909:

(Injektion), die Einführung arzneilich wirkender Stoffe in natürliche Höhlen und Hohlgänge, wie z. B. in den Mastdarm (Klistier), in die Mutterscheide oder in die Harnröhre oder Blase oder in die äußeren Gehörgänge und die Nase, teils um entleerend und reinigend zu wirken, teils um reizende oder milde Flüssigkeiten auf die umkleidende Haut der Organe aufzutragen. erst im folgenden Erwähnung der "subkutanen Einspritzung"

 

Klistier (Einlauf)

Karikatur in Die alte Apotheke, S. 38, Abb. 16.

WAHRIG Kli|'stier: Einbringen einer kleinen Flüssigkeitsmenge ( im Unterschied zum Einlauf) durch den After in den Darm (bei Verstopfung usw.)

mhd.

lat. clysterium

grch. klysterion zu grch. klyzein "spülen, reinigen"

kli|'stie.ren: jmd. ein Klistier geben

Kli|'stier.sprit.ze: Gummispitze für Klistiere (bei Kleinkindern)

 

Meyer 1909:

(griech. klysma, Einguß, Einlauf), eine Flüssigkeit, die in den Mastdarm eingespritzt wird. Das K. soll die im Mastdarm angehäuften Kotmassen erweichen und auspülen (entleerendes K.), oder es soll auf die erkrankte Magenschleimhaut direkt einwirken, wie z.B. bei der Ruhr (arzneiliches K.) oder es soll zur Einverleibung in den Körper dienen (ernährendes K.), wenn die Nahrungsaufnahme in den Magen unmöglich ist, wie z.B. bei Verschluß der Speiseröhre, des Mageneinganges, bei operativer Eröffnung des Magens oder bei Geisteskranken, die hartnäckig die Nahrung verweigern.

es folgen Rezepte für die drei verschiedenen Anwendungsformen.

 

Dominique im Stern 49/94: ( zunächst über ihre Rolle als Lehrerin, dann über ihr neues Interessengebiet)

"... Dann kriegt der patsch patsch mit dem Rohrstock. Ich habe mich jetzt außerdem auf Klinik-Erotik spezialisiert.

Stern-Interviewerin: Als Krankenschwester?

Dominique: Ich bitte Sie. Als Ärztin. Mit Klistier, Einlauf, alles. Demnächts kriege ich noch einen ausrangierten EKG-Monitor."

Hier sind wir nah der dunklen Seite einer Foucaultschen Existenz

 

 

Injektion (Einspritzung) : parenteral=außerhalb des Verdauungstrakts

 

- rascher Wirkungseintritt (Zeitmangel)

- für Medikamente, die durch Enzyme des Magen-Darmkanals zerstört würden

(z.B. Insulin)

- für Patienten, die nicht schlucken können

 

- besonderer Placebo-Wert für die Injektion, s.

 

Spritzen

Geschichtliches:

Medizin und Technik,S. 48:

Erst mit der Einführung der handlichen Pravaz-Spritze in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts wurde die Möglichkeit gegeben, Medikamente nicht nur in die Blutkreislaufbahn, sondern auch intramuskulär oder subkutan - unter die Haut - zu verabreichen.

Meyer 1909: Spritze

Zylinder, mit einer oder mehreren Öffnungen an dem einen oft in eine Spitze verjüngten Ende, durch die mit Hilfe eines Kolben eine Flüssigkeit oder weiche Masse im Strahl ausgeworfen wird. Der Kolben wird an einer Kolbenstange mit Griff durch die Hand oder mittels einer Kurbel sc. bewegt.

...

Derartige Spritzen sind die ..., ..., Klistierspritze, die Pravazsche Injektionsspritze (s. Einspritzung).

 

 

subcutan (unter die Haut)

Meyer 1909: "Einführung in die Praxis durch Wood (1855)"

Das Arzneimittel wird unter der Haut deponiert.

einfach und risikoarm, vom Patienten erlernbar:

"Der Patient hebt zwischen zwei Fingern eine Hautfalte in die Höhe und sticht nach vorheriger Desinfektion der Haut die Nadel ein."

 

intramuskulär

"Der Arzt spritzt das Mittel zwischen die Muskelfasern eines Muskelpaketes. Eine bevorzugte Injektionsstelle ist die stark entwickelte Muskulatur des Gesäßmuskels. Hier lassen sich größere Mengen eines Medikamentes unterbringen, ohne daß der Patient wesentlich belästigt wird. (Allerdings ist diese Injektionstechnik bei unsachgemäßer Nadelführung mit dem Risiko einer Nervenverletzung verbunden. In dieser Gegend läuft der Nervus ischiadicus.)

 

intravenös

"Bei der i.v. Injektion kann der Arzt Wirkstoffe verwenden, die sich nicht in das Gewebe einspritzen lassen, wie z.B. hochprozentigen Traubenzucker. Sie würden eine zu starke Reizung hervorrufen, die zum Absterben (Nekrose) des Gewebebezirkes führen könnte. Der Blutstrom in der Vene verdünnt das Mittel in der Regel so stark, daß ein solcher Schaden nicht entstehen kann."

 

intraarteriell

"Ein Teil der Arzneimittel, die als Ampullen vorliegen, kann auch in die Arterie injiziert werden. Der Arzt wird nur in besonderen Fällen diese Methode anwenden, wenn das Arzneimittel besonders schnell an den Wirkungsort gelangen soll."

 

 

 

Ampulle

wichtige Darreichungsform, die auf das 19. Jahrhundert und die industrielle Fertigung zurückgeht. "Sie gestattete es, Medikamente in steriler Form in den Handel zu bringen, die für die intravenöse Behandlung geeignet waren. Die Form der zugeschmolzenen Glasröhre, in der sich das Medikament befand, hat der Franzose Stanislas Limousin erfunden." (Technik und Medizin, S.273)

 

Gewalttätigkeit:

im Design: Abb.

Ultraject

"ist die Intraligamentalspritze mit automatischer Druckkraftbegrenzung. ... Mit Ultraject ist das Platzen von Zylinderampullen oder die Schädigung des Gewebes durch zu hohe Drücke praktisch ausgeschlossen. Dabei bleibt jedoch die Kraftanwendung unterhalb des vorgegebenen Maximalwertes über den Auslösehebel individuell steuerbar." (HOECHST Dentalpräparate von Hoechst, S. 26)

 

 

 

Infusion

"Eine Sonderform der intravenösen Injektion ist die Infusion. Sie ermöglicht es, dem Körper über einen längeren Zeitraum größere Flüssigkeitsmengen zuzuführen. Diese Art der Flüssigkeitszufuhr wird auch als >>Tropf<< bezeichnet. Sie erfolgt im allgemeinen intravenös. Aber auch subcutan lassen sich größere Flüssigkeitsmengen deponieren. Hierfür eignen sich die Oberschenkel besonders gut."

Geschichtliches, Medizin und Technik, S. 48:

"Die Form der Applikation in Form von Infusionen hat sich erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durchgesetzt."

 

 

gasförmige, inhalatorische Verabreichung

 

vorwiegend für Atemwegserkrankungen

 

anfang des 20. Jahrhunderts kamen Inhalationskuren neu auf

s. Eintrag im Meyer 1909

 

Aerosole - Inhalator

nach Militärpropellern entwickelt:

Mann 3M, S.222: Die Lösung kam mit der Erfindung des >Spinhalers< , von dem man behauptet, daß er von Altounyans Erinnerungen an seine Kriegsjahre hinter einem Spitfire-Propeller inspiriert worden sei. Intal®- Pulver wird in den Mittelteil des >Spinhalers< gebracht, und, wenn der Patient einatmet, gerät eine winzige Turbine am Mundstück des Apparates in Rotation, wodurch der Arzneistoff tief in die Lungen geblasen wird.

 

Stille, S.188 Abb.: Chloroform-Inhalator

G. d. Ph. in K. u. K., S. ____ Abb. Porzellan-Inhalator

 

 

gegen Asthmaanfälle

 

Subkultur:

Londoner Clubs

 

Film:

"Blue Velvet", Dennis Hoppers Verwandlung nach Inhalation der nicht spezifizierten Droge - Geräusche

 

Auftragen einer cremigen Substanz auf die Haut

 

Salben, Cremes und Pasten

- vornehmlich bei Hautleiden, Rheuma und Erkrankungen der Venen

"Salben sind im allgemeinen stark fetthaltig. Cremes sind geschmeidig und enthalten immer Wasser. Pasten haben eine ziemlich feste Konsistenz. Sie müssen meisten mit Hilfe eines Spatels aufgetragen werden, weil sie sich nicht so leicht wie Salben oder Cremes verstreichen lassen.

Viele dieser Mittel enthalten einen Wirkstoff, der äußerlich auf die Haut, also rein örtlich einwirken soll. Bei anderen wiederum ist seine Aufnahme durch die Haut über das Blut in den Körper erwünscht. Sie sollen systemisch wirken. Von dieser Möglichkeit macht der Arzt z.B. bei Rheumasalben Gebrauch. Sie sollen einmal äußerlich wirken, um die Durchblutung anzuregen, zugleich aber auch einen Wirkstoff abgeben, den das Blut zu dem entzündeten Organ transportiert.

Manchmal ist eine solche systemische Wirkung unerwünscht. Dann können komplikationsreiche Nebenwirkungen auftreten. - z.B. bei Kortisonsalben." (

 

systemisch = den Blutkreislauf betreffend

 

Unguentum (W. d. Ph. 4, S. 279)

"In eine oder mehrere Salbengrundlagen werden Arzneistoffe eingearbeitet, so in tierische Fette, pflanzliche Öle, Wachs, Honig usw. In allen Pharmakopöen gab es, z. T. sehr reichhaltig zusammengesetzte Salben. Berühmte Vorschriften wurden aus Antike und Mittelalter überliefert (-> Medulla) und behaupteten ihren Platz bis ins 18 Jh. - Im 19. Jh. (seit 1875) kam als Salbengrundlage die Vaseline hinzu und erlangte in der ersten Hälfte des 20. Jh. große Bedeutung. Moderne Technologien haben die Salbenherstellung und ihre Grundlagen, auch auf kosmetischen Gebiet, außerordentlich verfeinert."

 

Medulla

Salbe aus Knochenmark zahlreicher Tiere

 

 

Puder und Linimente (dickflüssige Arzneimittel)

 

Zäpfchen

After/ Scheide anal/vaginal

 

"In die Scheide können aus medizinischen Gründen Tabletten, Tampons, Cremes oder Zäpfchen eingeführt werden." _____- mein Essay über Tampons

Machtdispositiv

 

 

 

Suppositorium

WAHRIG: in den Darm einzuführendes, zäpfchenförmiges Heilmittel, Zäpfchen {zu supponieren}

 

Pflaster (Emplastrum)

 

Huichun - Chinesische Heilkunde: Abb. Pflasterherstellung

Teer zur Pflasterherstellung

=> PIX

Pix solida, Schiffspech; durch Erhitzen von Teer gewonnen; noch DAB 1, 1872. Verwendung für Salben und Pflaster. ....

W. d. Ph. 4: Pix : Teer- und Pechprodukte in der antiken Medizin sehr geschätzt

 

W. d. Ph. 4:

Ranae

"Froschpflaster (schmerzlinderndes Emplastrum de Ranis) bis ins 18. Jh. offizinell auch Froschlaichpflaster (Empl. de Spermate Ranarum)

 

heute: standardisierte Pflaster: die Beiersdorf Serie

 

 

psychologische Wirkung des Pflasters:

es gibt uns die Unversehrtheit zurück

für das mit einem Pflaster versorgte Kind ist die Welt wieder heil

Kinderpflaster mit bunten Bildern verschönern die gestörte Welt: Farbtherapie

Beispiele

rot, gelb und blau bei Beiersdorf

bunte Bilder von anderen Produzenten

sonst Hautfarben

mehr als Tarnung:

symbolisches Schließen der Hautoberfläche

 

neuentwickelte medikamentöse Form

langsame und stetige Abgabe des Medikaments über die Haut

_medikamentöse Pflaster, mit Arzneistoff versehen______

 

Kosmetik versus Medizin (Beiersdorf)

 

 

Räucherung/ Moxibustion?

 

Riechmittel/öle

Inhalation

 

Inhalier und Räuchermittel

 

(kosmetische Mittel, Salböle, Schminken) - andere Gesetzgebung

 

Seife (lat. sapo)

W. d. Ph.: seit der antiken Medizin pharm. verwendet

...

3. Arzneiliche Seifen, meist in Pillenform verwendet

 

 

Verabreichung: IM KLINISCHEN

Die Dosierungsmenge (=Fachbegriff ?) kann dabei wie bei Schlaftabletten zum Teil des klinisch umgangsprachlichen Titels werden. Valium 25

"Ich brauche unbedingt wieder Valium 10"

"Wollen Sie es nicht mal mit Valium 5 versuchen?"

"Nein, nein, ich bin mal wieder ganz fertig. Mein Mann war da, was der mir wieder alles an den Kopf geworfen hat! ..." S. 45

(Schwestern sprechen mit Patienten)

 

Diagnose: Zeitmangel

Ein/Aus Funktion

Diagnose: Streß im Medizinwesen

 

gewünschter on/off Effekt bei Tabletteneinnahme

 

Streß des Arztes

 

erhöhte Placeboakzeptanz bei Streß

 

Farbgebung, Design:

blasse Farben

Pastelltöne

- Frage der benutzten Pigmente, Lebensmittelfarben, Farbstoffe

 

 

feine Streifen

 

oder Parallelstreifung

 

Spalt als Metapher: den Schmerz spalten

oder Dosierungsmöglichkeit Hoechst Abb.

 

Aufschriften auf der Tablette

 

im Tiefrelief ? Grabsteineinschriften, Gravuren

in den U.S.A.: Dosierungsangabe: Elbert, S. 39 (Abb.)

 

Eines der vorrangigen Untersuchungsfelder wird dabei das Design von Tabletten darstellen. Denn die skulpturelle Gestaltung dieser Raumkörper in Miniatur kann nicht unwichtig sein.

Zunächst sind Tabletten ihres Äußeren nach ein Designprodukt wie jedes andere Konsumprodukt, das fein Gestaltete wird jedoch vom Verbraucher jeweils mit individuellen Erwartungen an die Heilkraft (Niere, Leber, Milz) überblendet.

Nicht nur Wirkungserwartungen spielen eine Rolle auch Ängsten, Projektionen auf oder Respekt vor der pharmazeutischen Kultur wirken mit. Wenn wir diese Miniatur moderner pharmazeutischer Literatur in den Händen haben,

sehen wir und fühlen wir wir weit mehr als wir rational bewältigen können. Denn meist wiegt das ganze Gewicht unserer medizinischen Weltanschauung mit in der Hand. Weil die tatsächliche Zusammensetzung nur von wenigen Spezialisten rational erfaßbar ist, nehmen wir mit der Einnahme der Tablette in den Mund auch ein Stück Unmündigkeit an.

Die Tablette ist damit auch ein Ort sozialer Übereinkunft und Machtverteilung.

Das Vertrauen auf Kenntnis der Zusammenhänge und daß es gut für uns ist, was wir einnehmen, wird an anderen Ort verlegt.

Das Medikament ist fast immer quantitativ meist nur Spurenelement, die Diskrepanz zwischen tatsächlichen Vorhandensein in unsichtbaren Mengen und dem Bedürfnis nach realer Wirkung als quasi modernes Wunder ist groß. Die Tablette oder Pille, die wir immer oral einnehmen, wäre schön als Essensersatz, die sie in Form von Vitaminpillen immer mehr wird

 

geschichtliche Herausarbeitung der Formen von Tabletten, Pillen, Kapseln und Pflastern aus mathematisch unregelmäßigen Formen zur perfekten Minimal Art:

Tontabletten in der Antike

 

 

 

Es gibt eine Ästhetik von Pillen, die eine Alltagsästhetik ist, aber nur von der Subkultur mitgestaltet wird.

Ansonsten haben wir mit einer Tablette auch ein Stück Industriedesign und Unternehmenskultur in Miniaturform in der Hand.

 

Werbungsuntersuchung ergab bevorzugte Farben blau und grün

aseptisch, kühlend, steril

kulturell konditionierte Reaktionen zu den OP Farben.

 

 

Farbtherapie

 

Geschmack, Geruch

einkapseln gegen Geruch

 

versüßte Arzneimittel für Kinder, Elbert, S. 94 + Abb.

S.95: Deutsche Anzeigen, die den Geschmack des Präparates als Argument anführen, richten sich fast ausschließlich an Kinderärzte bzw. zielen auf Kinder als Patientengruppe (s.Abbildung S.94). Im Gegensatz dazu wird in den USA der Geschmack des Produktes öfter betont und soll durchaus eine Therapieerleichterung auch für Erwachsene implizieren.

 

Verpackung

 

Verwechslungsgefahr durch corporate identity _______- Krankenschwesteressay

 

Beipackzettel

"Waschzettel"

wie gewaschene Zettel, an sich wichtig, aber nicht beachtet

unleserlich

- homöopathisches Produkt

 

Werbung für Medikamente:

 

Literatur zur Pharmawerbung ist vor allem in pharmazeutischen Fachzeitschriften erschienenen: Elbert, S. 109: Die Pharmazeutische Industrie, Pharma-Marketing-Journal,

auffallenderweise keine einzige Abbildung im Jahrbuch der Werbung 1981 oder in GRAPHIS Sammelbänden, obwohl

pharmazeutische Publikumswerbung mit 3,1 % den dritten Rang der Produktbereiche

hinter dem Automarkt 6,1%

vor Banken/Sparkassen 2,9%

und vor Schokolade/Süßwaren 2,8% einnimmt.

(ECON Jahrbuch der Werbung 1981, S. 31 (Zahlen für 1980 - Die sechs werbeintensivsten Produktbereiche waren die gleichen geblieben wie1979.))

 

- kein großes Interesse seitens der Werbeanalyse

Elbert Wahrheit und Dichtung in der Antibiotikawerbung - Eine Analyse aus medizinischer Sicht

Farbanalyse, S. 66: Die meisten (115 von 161) der ausgewerteten Anzeigen sind farbig. Es dominieren die Farben blau und grün. Nur 6 Anzeigen waren in rot gehalten, einer agressiveren Aufmachung.

 

Blaß-Blau und Blaß-Grün sind die uns bekannten Farben des OP-Saales, sie sprechen nach dieser Farbkonditionierung mittlerweile schon als Farben vom Aseptischen. Illustration Notbesteck?

Gesetzgebung:

für homöopathische Produkte darf nicht indikationsspezifisch geworben werden

 

für allopathische Produkte nur in Fachzeitschriften mit vorher/nachher Abbildungen

 

 

Werbung mit Kunstmotiven

 

These: Die Produkte der Arzneimittel-Industrie sind intrinsich ästhetisch (Theorie des Placebos)

starke Ästhetisierung vor allem bei Mitteln für die Selbstmedikation:

Schmerzen, Verspannungen, Zahnpasta

eindringende Pfeile, Schmerzherde, kühlende Farben

 

- ältere Anzeigenserie mit "Klassikern" der Malerei

 

- Bayer - Picasso: in Fachzeitschrift für Verdauungskrankheiten

Der Anpassungskünstler

Talcid forte im Stil Pablo Picassos

 

- Werbung mit "antiken" Skulpturen, Büsten

japanisch Abb._______

stark im Appeal, weil antike Körperskulpturen mittlerweile so fragil wie menschliche Körper sind und mit hochtechnisierten Methoden, die teilweise der medizinischen Diagnostik entstammen erhalten (um nicht zu sagen am Leben erhalten werden)

 

Analogie der Verwundbarkeit:

antike Skulptur mit fehlenden Körperteilen

ästhetisch angenehmer als der verkrüppelte menschliche Körper

 

Nordmark-Werke: Baustil-Führer:

Abb. Rückseite:

Dolo-NEUROTRAT

NEUROTRAT forte Tragende Säulen

Die ganze Rhetorik ist, daß der gute Architekturstilführer zu der Werbung auf der Rückseite hinführt. Alles Wege zu einer neuen Architektur des Körpers. Oder anders ausgedrückt der Architekturführer hat Reinigungsfunktion im Kulturellen für die Publizität eines pharmazeutischen Produkts.

 

Elbert, S. 55: Lupe auf dem Auge einer Büste: "Nehmen Sie Mefoxitin® ruhig unter die Lupe"

 

Elbert, S. 75: Quimocylin® Apollon-Bronchitis

 

Elbert, S. 77: Peha®-haft auf Skulptur:

kohäsive, elastische Fixierbinde mit zweifachem Hafteffekt

 

geschichtliche Veränderung:

Elbert, S. 78

In den 50er und 60er Jahren wurde die Pharmawerbung in der Regel noch nicht von Werbeagenturen, sondern von hauseigenen Werbeabteilungen gestaltet.

"Meist liegen nur schwarz-weiß Annoncen vor. Die heute üblichen mehrfarbigen Tiefdruck{?}-Abbildungen fehlen noch. Häufig bestehen die Anzeigen nur aus Text; Abbildungen in Anzeigen sind die Ausnahme. Das Volumen der Anzeigen in der Frühzeit der Chemotherapie war viel geringer; die Anzeigen erstrecken sich nie, im Gegensatz zu heute, über mehrere Seiten.

 

Damals noch keine genauen Vorschriften für den Inhalt des Informationstextes.

 

Werbung: Heilen mit dem Hammer und Meißel

visuelle Metaphern:

- Boxhandschuh

- Hammer (Nietzsche: Philosophieren mit dem Hammer) und: ein Meißelschlag statt vieler Nägel

Abb. Elbert, S. 87,98

 

aber die Werbung kann mit Slogans wie: "der bakterizide Treffer" (Elbert, S.81)

"Der antibiotische Stoß in den Weichtteilinfekt" (Elbert, S. 62, Abb. S. 63 Produkt: Lincomycin)

in dieser Hinsicht auch verbal schlagkräftig werden.

USA, Elbert, S. 97 "the penetrator"

"penetrator power"

 

 

ein der Homöopathie entgegengesetzte Auffassung

hier gibt es kaum noch einen Wirkstoff, der schlagen, penetrieren, Krankheitskeime vernichten könnte

dennoch gibt es das Problem der sorgfältigen Dosierung

 

 

Werbung mit dem "Medizinaltheater"

 

 

Abb. Wenn die Erreger im Patienten rascher wachsen als auf der Platte

 

 

Slogans

"kompromißlos bakterizid" Mischung aus Wissenschaftlichkeit und Irrationalität

bei Erinnerungswerbung: bewährt, vertraut

 

 

 

Elbert, S. 85 Lieblingsparameter "modern", "vertraut", "bewährt" schon vor 30 Jahren in den Anzeigen populär

 

"Sicherheit", "Erfolg", "Fortschritt" Elbert S.88 als nichtwissenschaftliche Parameter

 

Elbert, S. 85 archaische Anzeige : "Peroral verabreicht in der Blutbahn" + Abb.

 

 

 

Metaphern

Versinnbildlichung:

Metapher des Knotens, des Knotenlösens

 

Elbert, S. 44/45 zum Erinnern; der Knoten im Hals

 

Schutz:

"Der umfassende Schutz"

 

Drache Elbert, S. 59

 

"Medizinal"-Theater (Elbert)

S. 62: "Wenn die Erreger im Patienten rascher wachsen als auf der Platte" (Abb.)

 

Niederländische Malerei:

Anatomische Lehrstunden

Rembrandt, etc.

 

 

 

 

Namensgebung

Markennamen als Phantasienamen

Lateinphantasie

 

LESS Verbot des Präparates, ungewünschter Name

nicht dem ungeschriebenen Gesetz zur medikamentösen Namensgebung entsprechend

 

Ruesch, S. 212/213:

Gesundheitsdirektor des Kantons Zürich, Regierungsrat Wiederkehr (CVP) und

Bundesgericht streicht die beim Eidgenössischen Amt für geistiges Eigentum eingetragene Schutzmarke LESS. "Diese Marke steht für ein beliebtes und in jeder Beziehung unschädliches Rheumamittel und bedeutet auf Deutsch 'weniger'. Man höre und staune. Nur weil eine bewährte LESS-Rheumasalbe keine der bekannten schädlichen Nebenwirkungen habe, das Wort 'Less' aber auf deutsch 'weniger' heiße, sei dieses Rheumamittel der IKS, dem Gesundheitsdirektor Wiederkehr in Zürich und den Bundesrichtern ein Dorn im Auge. Derweilen sollen die tödlichen Konkurrenzpräparate Butazolidin und Tanderil weiter mit dem Segen dieser Filzokratie dem Patienten angedreht werden..."

 

 

DOLORMIN (Kopfschmerzmittel): LÄSST DEM SCHMERZ KEINE ZEIT.

Fernsehwerbung - Aufnahme?

 

VERONAL Stille, S. 190:

Die erste Verbindung, die sich als hochwirksames Schlafmittel einen Namen machte, war 1903 das Veronal®, das den Nachteil hatte, nach einer Einzelgabe tagelang im Körper zu verweilen und so bei wiederholter Verabreichung den Patienten zu gefährden. Zum Namen des Veronal gibt es eine seltsame Geschichte. Einer seiner Entdecker soll nach Einnahme der Substanz im Eisenbahnabteil eingeschlafen und, vom Norden kommend, erst in Verona wieder erwacht sein. Er hatte bereits in Basel aussteigen wollen.

 

BARBITURATE (Gattungsname) Stille, S.190: Barbara = Jugendfreundin einer der Forscher

 

 

Aufbewahrung:

Medizinflaschen/fläschen - braun seit wann, alte Flaschen => Sammelobjekt

braune Farbe => Lichtschutz

 

Markierung/Codierung des Inhaltes:

gesetzlich sehr genau geregelt

 

 

Etikettierung

 

Lewis Carroll Alice in Wonderland

"Drink me" (Alice in Wonderland, Down the Rabbit-Hole, p.13 )

... so she went back to the table, half hoping she might find another key on it, or at any rate a book of rules for shutting people up like telescopes: this time she found a little bottle on it ('which certainly was not here before,' said Alice) and tied round the neck of the bottle was a paper label, with the words 'DRINK ME' beautifully printed on it in large letters.

It was all very well to say 'Drink me,' but the wise little Alice was not going to do that in a hurry. 'No, I'll look first,' she said, 'and see whether it's marked "poison" or not'; ...

 

vgl. Gaude Die alte Apotheke, S. 185:

... Immer wieder ist die Medizinflasche zu sehen, an deren Hals die keilförmige Anbindesignatur befestigt ist.

 

 

Kunst

Marcel Duchamp La pharmacie Reproduktion einer künstlerisch sehr durchschnittlichen Landschaftsdarstellung mit grünem und rotem "Punkt" versehen

 

 

Wenn Ansätze einer pharmazeutischen Ästhetik erarbeitet werden sollen, kann auch der Blick nicht an den Wiederspiegelungen der pharmazeutischen Produkte vorbeigehen, gerade weil auch ein Großteil der künstlerischen Materialien aus der chemischen Farb- und Fotoproduktion kommt, die unter dem Dach großer Farb- und Chemiekonzerne produziert wird. - Kittler Optische Medien

I.G. Farben:

19. Jh.: Erfindung der chemisch-artifiziellen Anilinfarben

nach dem zweiten Weltkrieg: Aufspaltung in BASF, Bayer und Hoechst

 

Entstehung eines Medikamentes aus Farbstoff

G. d. Ph. in K. u. K., S. 199/200:

"Ein Vierteljahrhundert verstrich, bis das näschte bedeutende chemotherapeutische Agens gefunden wurde. 1932 bemerkte Gerhard Domagk, Forschungsleiter für experimentelle Pathologie und Bakteriologie bei I.G. Farben in Elberfeld, daß Prontosil® - ein von seiner Firma synthetisierter Farbstoff - Mäuse heilte, die mit tödlichen Dosen hämolysierender Streptokokken infiziert waren. ...

 

- Christa Muths Farbtherapie - Mit Farben heilen - der sanfte Weg zur Gesundheit

 

Chemische Rohmaterialien und chemische Forschung spielen also auch dann für die künstlerische Produktion eine Rolle, wenn sie nicht thematisiert werden. Und zwar dann gewissermaßen als das, was der Herkunft nach kollektiv unbewußt ist.

Spiel mit der Ästhetik

Damien Hirst Abb. KUNSTFORUM Bd. 126, S. 220

Medizinschrank

Die Ästhetik der Verpackungen für sich sprechen lassen

 

 

Marcel Duchamp "La pharmacie" Artikel ?

Arturo Schwarzs Interpretation "Duchamp als Alchemist"

 

 

Bibliographie Modern Art ? - Kunstbilbliothek

 

Carl André: Sensibilität dem Laufen auf verschiedenen Metallen gegenüber

Äußerung im Interview

- Kaspar Hauser Parallele

Die alte Apotheke, S. 184: "Die unterschiedliche Verwendung der Becher ergab sich aus dem Material. ... Mit dem Antimonbecher wollte man den Säufern das Trinken abgewöhnen. Die im Wein enthaltene Weinsäure erzeugt bei Berührung mit Antimon Spuren von Brechweinstein. Die Menschen glaubten damals, durch altüberlieferte, alchemistische Vorstellungen beeinflußt, daß von den Gefäßen eine spezifische Heilkraft auf ihren Inhalt übergehe und somit die Wirkung des Trankes verstärke."

 

Joseph Beuys - Homöopathische Gesichtspunkte Text __________

 

Ästhetik der Dreckapotheke:

 

Hexensalbe, der Ritt

rektale/anale Applikation

 

Vorbereitung auf den Hexensabbath Abb._______

 

 

komplizierte Rezepturen

Exkremente

Urin

als neuerdings wiederentdeckte, perfekte Form der Selbstmedikation

Drogen im Urin,

Pilzkonsum in Mord, Magie und Medizin

 

Toellner, S.1680: Abb. 1830:

"Der kranke Eulenspiegel scheißt in die Töpfe des Apothekers, bei dem er logierte." - Kupferstichillustration

 

 

Leben mit den Nebenwirkungen:

 

Elbert, S. 50:

"Praktisch risikolose Theraphie"

"Ohne Toxizitätsrisiken"

"Das Risiko mindern"

"Um ein Risiko zu vermeiden"

"Verringert das Risiko"

 

Thomas Bernhard Beton:

S. 132/133: Der wiederausgebrochene morbus boeck, die jährlich sich wiederholenden Verkühlungen, der daraus resultierende allgemeine und permanente Schwächezustand und dann immer wieder der gleiche Rhythmus des Aufgeschwemmtseins durch zuviel Prednisolon und des Abmagerns durch eine dann immer wieder notwendige Prednisoloneinschränkung, ja -absetzung. Ich war jetzt gerade abgemagert und wartete nur darauf, wieder aufgeschwemmt zu sein, denn ich hatte vor zwei Wochen wieder stark mit dem Prednisolon angefangen, ich nahm jetzt acht Stück am Tag. Daß diese Methode, zu überleben, nicht mehr gar so lange durchzuhalten sein wird, war mir jetzt klar. Aber ich verdrängte diesen Gedanken, obwohl er ununterbrochen da war, ich verdrängte ihn ununterbrochen, weil er ununterbrochen da war. Ich habe mich daran gewöhnt.

 

Leberschäden durch Medikamente FAZ Nr. 213 , 13. 9.95, Seite N1:

"seltene" Schädigungen des Gewebes durch giftige Abbauprodukte oder durch das Auslösen allergischer Reaktionen

 

 

 

Schnupfenmittel

nicht wirksam

ein Bericht eines Sonderausschusses der FDA stellte fest, "daß, obwohl es kein Mittel gibt, das den gewöhnlichen Schnupfen heilt odr verhindert, die Pharma-Produzenten aber dennoch 35000 verschiedene Präparate gegen Erkältungen in den Handel bringen, ..." (Ruesch S. 224)

 

Chemotheraphie, Strahlentheraphie

 

Toellner, S.1707:

"Die Chemotherapie. - Die Chemotherapie, d.h. die Bekämpfung von Infektionskrankheiten mit chemischen Substanzen, kam ab 1904 auf. Die ersten Impulse gab der Deutsche Paul Ehrlich. ... "

 

eine Theraphie gegen Krebs, die selbst cazinogen ? ist => Homöopathie

 

Östrogen-Tabletten gegen Brustkrebs stehen im Verdacht Brustkrebs hervorrufen zu können

Ruesch, S. 224

=> International Herald Tribune, 17-8-1976)

 

Homöopathie:

RUESCH, S. 180 J.D. Rockefeller Senior und Junior trauten nur homöopathischen Ärzten

S.181:

In dem Buch Rockefellers - eine amerikanische Dynastien (1976) von Peter Collier und David Horowitz finden wir daraufhin lediglich einen flüchtigen Hinwies. Nachdem die Verfasser ..., fügen sie hinzu, daß J.D.R. "die Menschen weiterhin dadurch in Erstaunen versetzte, daß sein Hausarzt, Dr. H. F. Biggar, ein Homöopath war.

 

Rhetorik der Pharmazeutik:

Metaphorik der Medikation:

Pillen schlucken

Bittere Pillen

Bittere Medizin

Spritze reinjagen

am Tropf hängen

 

Spalt - spaltet den Schmerz

 

Doppelherz® Tonika Doppelherz-Pharma J.P. Hennes, Essen

 

daneben gibt es eine Rhetorik der Pharmazeutik, die raffiniert und ausgefeilt ist und untersucht werden muß, damit eine Ästhetik der Pharmzeutik auch rhetorisch mit ihrem Untersuchungsgegenstand mithalten kann.

 

Dokumente aus SMON-Skandal

 

Tierversuch, Versuche am Menschen, Selbstversuch

 

Tierversuch

LD-50 Test siehe auch Arzneimittelprüfung am Menschen: unnötiger Test, hoher Tierverbrauch

in Ellis Huber

 

der Bewegungsfreiheit beraubte Tiere

 

Abb.: in Ruesch Band Die moderne Barbarei, 40 S. Fotodokumente mit Kurztext

 

Die Arzneimittelprüfung am Menschen

 

 

 

Entfremdung ( vom eigenen Körper) als Nebenwirkung

 

Thomas Bernhard Beton:

S. 139/140: Schmutzwäsche: ... in meiner Lage, in welcher ich tagtäglich mehrere Male total verschwitzt bin, ... , alle diese Wäschestücke außerdem mit dem Geruch der Unmengen von Aldactone saltucin, die ich zur Entwässerung und also zur Entlastung meines Herzens einzunehmen habe, es ekelte mich, als ich diese Wäschestücke aus dem Korb herausnahm, um sie auf den Wäschetisch zu werfen, obwohl oder gerade weil es meine eigene Wäsche war, ich fing, ohne zu merken, daß das möglicherweise auch schon eine Verrücktheit ankündigte, an, alle diese Wäschestücke zu zählen, ...

 

Selbstmedikation:

Japanöl

Beispiele für Buchtitel:

Reinhard von Normann (1981) Medikamente in unserer Hand - Vom richtigen Gebrauch rezeptfreier Arzneien. München: Ullstein.

Ich möchte es als einen Versuch bezeichnen die Verantwortung für sich selbst wiederzuerlangen, die man nicht wieder erlangen kann.

 

Fachjargon in der Pharmazeutischen Industrie:

der SM-Bereich

 

perfekte Form der Selbstmedikation:

Eigenurinkonsum

 

ärztliche Form:

Eigenblutgabe

 

 

 

Placebo:

Deutsch für Placebo:

Leer-Tablette/Präparat, Scheintablette

Englisch:

dummy tablets, dummies

 

- Wohlklang des Wortes "Placebo" (ich werde gefallen)

 

Blanz, S. 72: Bei einer Placebobehandlung entfällt die spezifische Wirksamkeit eines therapeuthisch validen Verums, wobei jedoch die Charakteristika der Applikationsprozedur selbst ( wie z.B. Farbe, Größe, Form und Geschmack von Pillen, Injektionsprozeduren etc.) erhalten bleiben (zumindest teilweise).

- Problem der Geschmacksnachbildung

 

Vor 100 Jahren waren die meisten der von den Ärzten verschriebenen Arzneien in Wirklichkeit Placebos.

Auch kann die nicht indizierte Anwendung wirksamer Arzneimittel als Placebogabe gesehen werden. = Pseudoplacebo

 

Gross Das universelle Medikament, S. 11: Reine oder echte Placebos enthalten lediglich Milchzucker, Stärke oder andere inerte Substanzen und Hilfsstoffe, Geschmackskorrigentien, Farbstoffe usw.

das Ideal der Geschmacksangleichung (selten erreicht)

 

- dann zur Homöopathie:

Gross, S. 11: Ihnen gegenüberzustellen sind die unwirksamen Arzneimittel, für die sich beim Menschen kein eindeutiger, therpeutisch nutzbarer Effekt nachweisen läßt und deren Zubereitungen als unreine, falsche oder Pseudoplacebos bezeichnet werden. Hinzu kommen Bestandteile von Arzneimittelkombinationen, die zur Gesamtwirkung nichts beitragen, weil sie unwirksam oder unterdosiert sind. Schließlich sind die Medikamente zu erwähnen, deren sich bestimmte medizinische Gruppen bedienen, die Homöopathen zum Beispiel, besonders soweit sie Hochpotenzen verschreiben, ...

Jeder Arzt ruft unvermeidlich Placebo-Wirkungen hervor. (26) -> W. Modell Placebo actions allein schon wegen seiner Rolle als "Heiler", die in unserer Kultur verankert ist. Hinzu kommt das Gewicht der ärztlichen Persönlichkeit, das Verhältnis des Arztes zum Patienten, die Art undWeise, wie er ihn untersucht und welche Ratschläge er gibt.

saubere Fingernägel, etc.

Symbolik

Symbole helfen heilen

 

Gross, S. 14: -> Nebenwirkungen von Placebos

 

S. 16:

Ob alle homöopathischen Mittel als Pseudoplacebos anzusehen sind, ist aufgrund der wenigen kontrollierten Untersuchungen, die bisher angestellt wurden, nicht zu entscheiden. Sicher trifft es für die Hochpotenzen zu, in denen, vorausgesetzt, daß sie korrekt hergestellt sind, keine Moleküle mehr enthalten sein können, da ihr Verdünnungsgrad jenseits der Loschmidt´schen Zahl liegt. Ein großer Teil der Erfolge der Homöopathie beruht zweifellos auf der Fähigkeit homöopathisch geschulter Ärzte zu sorgfältiger Beobachtung, zu weitgehender Differenzierung der Symptome, zu individueller Charakterisierung des Patienten und der sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Behandlung. Hinzu kommt als weitere, sich meist positiv auswirkende Eigenschaft die Überzeugung von der Nützlichkeit, Unschädlichkeit und Wirksamkeit der von der Homöopathie vertretenen Prinzipien, die sich auf den Patienten überträgt. Dadurch ergeben sich bessere Voraussetzungen für die Anwendung dieser Medikamente als für die Gabe von echten Placebos, von denen dem Arzt bekannt ist, daß sie keine Stoffe pflanzlicher, tierischer oder mineralischer Herkunft enthalten, von denen er eine therapeutische Wirksamkeit erwartet oder glaubt erwarten zu können.n

 

 

GENERAL IDEA - Ausstellung in Hamburg 1992/93

front: Playing Doctor

Pla©ebo

Tages- und Jahresration eines AIDS Medikamentes

Placebo, sagt das Lexikon, sei ein 'Medikament ohne Wirkstoff'. Dennoch kann es Wirkung entfalten. (Anfang von Stephan Schmidt-Wulffens Text, S.61)

 

 

 

Schöne Literatur:

 

Amerikanischer Roman zum Psychopharmakon PROZAC (grün-blaue Kapseln)

auf dem deutschen Markt unter dem Namen FLUKTIN erhältlich

Elizabeth Wurzel Verdammte schöne Welt

 

 

Thomas Bernhard Beton:

S. 19/20: Als unsere Mutter gestorben war, hatte meine Schwester, wir waren noch am Grab gestanden, mit gröbster Rohheit vor sich hingesagt: sie hat sich selbst umgebracht, sie war einfach zu schwach zum Leben. Die einen sind stark und die anderen sind schwach, waren ihre Wörter, wie wir aus dem Friedhof herausgegangen sind. Aber ich muß mich von meiner Schwester befreien, sagte ich mir jetzt und ging in den Hof hinaus. Ich atmete tief ein, was augenblicklich einen Hustenanfall bewirkte, sofort trat ich wieder ins Haus und ich mußte mich auf den Sessel unter dem Spiegel setzen, um einer Ohnmacht zuvorzukommen. Nur langsam erholte ich mich von dem Kälteeinbruch in meine Lungen. Ich nahm zwei Glyzerintabletten und in einem vier von den Prednisolonpillen.

 

S. 117: Schwierigkeiten beim Packen, Drama der Schwankungen der Willenskraft:

daheimbleiben oder abreisen?:

Ich betrachtete meine Koffer, sozusagen den geistigen und den ungeistigen von meinem Fauteuil aus und hätte augenblicklich, wenn ich dazu im Moment die Kraft gehabt hätte, in ein schallendes Gelächter über mich ausbrechen können oder, ganz im Gegenteil, in Tränen. ...

 

ich hatte sie in meinen rotgesprenkelten Medikamentensack gesteckt. ...

 

Ich selbst verdanke der Chemie, wenn ich es in einem einzigen Satz sage, alles, seit dreißig Jahren alles. (S.120)

 

S. 127: Seit der morbus boeck aufgetreten ist, darf ich mir keine Verkühlung mehr erlauben, obwohl ich jedes Jahr drei oder viermal stark verkült und dadurch immer nahe daran bin, einzugehen. Durch das Prednisolon sind meine Abwehrkräfte gleich null. Habe ich mich einmal verkühlt, dauert es viele Wochen, um aus einer solchen Verkühlung wieder herauszukommen. So habe ich vor nichts so Angst, als vor einer Verkühlung. ...; wo soviele Ängste aufeinmal in einem Menschen konzentriert sind, ist diesem Menschen alles fortwährend vollkommen am Zerbrechen.

 

S. 147: Wir dürfen uns nichts vormachen, wir können in jedem Augenblick umkippen. Viel Geld für Praxiseinrichtung des Neffen als Sterbevorbereitung geschenkt: damit er sich, wie er sagt, eine den heutigen Verhältnissen angepaßte Praxis einrichten kann. Was ist den heutigen Verhältnissen angepaßt? ...

S. 150: Pred-ni-so-lon, ich sagte es ein paarmal ganz langsam und so wie ich es gerade aufgeschrieben habe, vor mich hin. Die Ärzte gehen nicht viel tiefer, als bis in die Oberfläche. Sie versäumen immer alles, genau das, das Versäumen, werfen sie aber fortwährend ihren Patienten vor. Die Ärzte haben kein Gewissen, sie verrichten nur ihre medizinische Notdurft. Aber wir fliehen doch immer wieder zu ihnen, weil wir nicht an diese Tatsache glauben können.

 

S. 203: Glyzerinpillen: Atemnot, Glasröhrchen - in Palma:

Diese Atemnotanfälle kommen plötzlich, ich weiß nie warum, aus was für einem momentanen Grund, dann schlucke ich zwei, drei Glyzerinpillen aus dem Glasröhrchen, das ich untunterbrochen, gleich wo, bei mir habe. Aber es dauert immerhin zwei oder drei Minuten, bis sie wirken. {Schalter: EIN/AUS Funktion mit zeitlicher Verzögerung.}

3M, S. 246: entzündungshemmender Wirkstoff Prednisolon

- Dolormin: Läßt dem Schmerz keine Zeit.

Bilder: ein Paar von Geschäftsleuten, vom Flughafen kommend.

 

 

- Medizinflasche

 

 

 

Aldous Huxley Brave New World: SOMA das Allheilmittel

(Ästhetik des Allheilmittels?)

 

 

apothecary in Hamlet ______

 

 

Ästhetisierung von Drogen durch Schriftsteller:

Baudelaire Die künstlichen Paradise

Coleridge Gedichte

De Quincey Bekenntnisse eines englischen Opiumessers

Wolfgang Schivelbusch Das Paradies

 

 

Film:

Claude Chabrol "La rupture"

Lars von Trier (1995) "Hospital der Geister"

John Huston (1949) "Let there be light"

Ernst Lubitsch ( ) "Rausch" mit Asta Nielsen

(Szenenfoto in Michael Hanisch (1991) Auf den Spuren der Filmgeschichte - Berliner Schauplätze . Berlin: Henschel Verlag. {AGB: Th 659 109}

_______&emdash;"Einer flog über das Kuckucksnest"

Pillenausgabe - Pillenverweigerung

 

 

Der Gesundheitsmarkt der Subkultur:

Grenze des Legalen zum Illegalen, apothekenpflichtig, rezeptpflichtig

Spritzen in der Apotheke für Drogensüchtige

Spritzen:

intravenöse Injektion als an sich ärztliche Handlung

 

Übergang von der Pharma- zur Subkultur:

Toellner, S.1705: Umstrukturierung des Ausgangsmoleküls, z.B. Hydrierung, Abtrennung einer Methoxylgruppe:

"Leider können aber solche Eingriffe ins Molekül aber auch schädliche Produkte ergeben. Durch Azetylierung des Morphins entsteht Heroin oder Diazetylmorphin, das 1898 von der Firma Bayer in die Medizin eingeführt wu

rde, heute aber als gefährliches Rauschgift vrboten ist. Zweifelhaften Ruf genießt auch das LSD, chemisch Lysergsäurediäthylamid. Man gewinnt es aus der Lysergsäure, die als Bestandteil bestimmter Mutterkorn-Alkaloise in der Natur weit verbrietet ist."

 

 

Ecstasy

Pillendesign marketing Gestaltung der Pillen mit Logoverfremdung

BKA Plakat

 

Poster des Bundeskriminalamtes

 

Poster des Gesundheits____ --- NEwcastle

beliebt und vegriffen

 

Konzept der "ill communication"

 

Lyrik der Rockmusik:

Little Yellow Pill (Rolling Stones - welcher Song?)

The Who - Quadrophenia ____________ Textstelle

in Cut my Hair:

...

I clean my room and my shoes,

But my mother found a box of blues,

And there doesn´t seem much hope,

they´ll let me stay

...

in I´ve had enough:

...

I´ve had enough of dancehalls

I´ve had enough of pills

I´ve had enough of streetfights

I´ve seen my share of kills

...

in 5:15:

...

Inside outside, leave me alone

Inside outside, nowhere is home

Inside outside, where have I been

Out of my brain on the five fifteen

...

 

in Doctor Jimmy

...

Doctor Jimmy and Mister Jim

When I´m pilled you don´t notice him

He only comes out when I drink my gin.

...

I´m feeling restless

Bring another score around

Maybe something stronger

Could really hold me down.

 

Sandoz

"Bellergal" als bunte Mosaikpille in den 60er Jahren

 

 

Theorie:

Mit der Tablette haben wir die direkte Schnittstelle zwischen pharmazeutischer Kultur und dem einzelnen Menschen. Der Mensch nimmt diesen kulturellen Signifikanten oral zu sich, aber kulturell wird es ihm verabreicht. Die Tablette wird so zu der Hostie einer modernen Zeit und übernimmt auch Teile ihrer Heilsversprechung.

Die Erlösung von körperlichen Leiden durch Überführung in das scheinbar Insubstanzielle ?, Lösung Versprechende, die rituelle Einnahme zu vorgeschriebenen Tageszeiten.

Die Medikamenteneinnahme strukturiert das Leben der Kranken in den Krankenhäusern ( -intravenöse Einnahme = gänzliche Unmündigkeit) und daheim. An verbleibenden und aufgebrauchten Tabletten in den Tablettenformen lassen sich die Tage abzählen.

Als Verhütungsmittelschablonen findet auch der lunare Zyklus unverhoffte Einkehr in den modernen Zeitrhythmus.

 

 

Die Tablette als Hostie:

 

Glaube und Unglaube

 

"... eine diffuse Angst gegenüber allen Dingen, die "mit Chemie" zu tun haben, läßt in großen Teilen der Bevölkerung das Bedürfnis nach einer natürlichen, ganzheitlichen Arzneimitteltherapie wachsen." (Die P.T.A IN DER APOTHEKE 23: Geschichte der Homöopathie)

 

Es ist der Leib gewordene Geist der pharmazeutischen Forschung.

Die religiöse Ausstrahlung der Tablette wird deutlich in dem Phänomen des Placebo, wo die Tablette frei jeder Art von Wirkstoffen ist und zum Medium medizinischer und pharmakologischer Suggestion wird. Ein Wechselspiel zwischen Suggestionskraft pharmazeutischer Kultur und Suggestibilität des Patienten findet statt, das man hier quasi in vitro untersuchen kann. Die zahlreiche wissenschaftliche Literatur zu diesem Thema gilt es zu sichten und zu strukturieren.

 

parallel zum

spiritus

=>Quintessenz - Alkohol

Lebensverlängerung, Alchemie --- Praktik der Destillation

"Mehr und mehr wurden die Herstellungsverfahren ihres metaphysischen Gehalts beraubt, und im 17. Jh. wurden sie durch die Essenzen in Literatur und Arztpraxis ersetzt.

 

>>> Mechthild Krüger (1968) Zur Geschichte der Elixiere, Essenzen und Tinkturen, Braunschweig

 

 

Stille, S. 65: Hildegard von Bingen, religiöse Deutung der statistischen Streuung

 

Christus als Apotheker (Die alte Apotheke, S. 84)

Auf einem Hügel bei Werder bei Berlin liegt die Heilig-Geist-Kirche.

Hier ist der Heilige Geist bildnerisch zum Medikament geworden und Christus bietet diese Mischung an.

Der Apotheker und Schriftsteller Theodor Fontane beschreibt das dort bis dahin wenig beachtete Bild in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburgs :

Hier befindet sich unter anderem auch ein ehemaliges Altargemälde, das in Werder den überraschenden, aber sehr bezeichnenden Namen führt: >Christus als Apotheker<. Es ist abnorm, so einzig in seiner Art, daß eine kurze Beschreibung desselben hier am Schlusse unseres Kapitels gestattet sein möge.

{Für uns liefert die Beschreibung in der Reproduktion verschwundene Farben und Details nach}

Christus, in rotem Gewande, wenn wir nicht irren, steht an einem Dispensiertisch, eine Apothekerwaage in der Hand. Vor ihm wohlgeordnet stehen acht Büchsen, die auf ihren Schildern folgende Inschriften tragen: Gnade, Hilfe, Liebe, Geduld, Friede, Beständigkeit, Hoffnung, Glauben. Die Büchse mit dem Glauben ist die weitaus größte {man braucht ihn am nötigsten und reichhaltigsten, um ein guter Christ zu sein}; in jeder einzelnen steckt ein Löffel, In Front der Büchsen als die eigentliche Hauptsache liegt ein geöffneter Sack mit Kreuzwurz. Aus ihm hat Christus soeben eine Handvoll genommen, um die Waage, in deren einer Schale die Schuld liegt, wieder in Balance zu bringen. Ein zu Häupten des Heilands angebrachtes Spruchband aber führt die Worte: <Die Starken bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Ich bin gekommen die Sünder zur Buße zu rufen und nicht die Frommen (Matthäi 9, V.12)

 

Abb. in Die alte Apotheke, S. 42: Gemälde in der Heilig-Geist-Kirche in Werder (Havel)

Abb. Toellner Nr. 1817, S. 1668

"Christus als Apotheker stellt Adam und Eva ein Rezept aus." Miniatur aus: Chants royaux du Puy aus Rouen

Cristus verschreibt Adam und Eva Medizin

erste bekannte Darstellung in der Handschrift von Rouen 1525 (HEIN), Erst ein Jahrhundert danach taucht dieses Bildmotiv in Süddeutschland auf.

 

Der Kräutergarten

Stille, S.51/53 Drogenindustrie: Kräutergärten der Klöster

 

Die Allheilmittel=Panazeen

"Einen ungeahnten Aufschwung erlebte die Pharmazie durch die Entdeckung der Neuen Welt. Zu den neu nach Europa eingeführten Medikamenten gehörte Chinarinde, Kampfer, Ingwer, Rhabarber, das Guajakholz, Perubalsam, Sarsaparilla und die Koka. Allen diesen Medikamenten wurden unglaubliche Wirkungen zugesprochen, sie alle wurden zu Panazeen stilisiert." (Technik und Medizin, S.263)

 

 

Geheimmittel u.a. "Kölnisch Wasser"

 

das Allheilmittel

- das Breitbandantibiotikum

 

Theriak

im Mittelalter

öffentliche Zubereitung

als auf die Bühne gebrachtes Spektakel (öffentliches Spektakel wie heute mit negativen Vorzeichen die Unfälle der Pharmaindustrien)

Abb. Stille, S.59

Abb. Toellner Nr. 1841, S. 1690: Händler werden beim verbotenen Theriakverkauf ertappt.

Toellner, S. 1718:

Der Theriak war eine Latwerge, deren Rezept Neros Leibarzt Andromachus im 1. Jahrhundert zusammenstellte. Er orientierte sich dabei am >Mithridat<, dem sagenumwobenen Antidot des pontischen Königs Mithridates Eupator, der sein Mittel 67 v. Chr. erdachte. Nicht nur als Gegengift, sondern auch als Heilmittel gegen Infektionskrankheiten verordnete man jedoch den Theriak. Galen und seine arabischen Nachfolger empfahlen ihn mit so viel Überzeugung, daß er im Mittelalter im ganzen Okzident ein Schlager wurde. Der feinste Theriak kam aus Venedig, aber auch die Apotheker von Montpellier trieben einen florierenden Theriakhandel.

 

Ästhetisierung eines pharmakologisch wirkunglosen Produktes

 

 

Ästhetik der Weißheit, des Aseptischen

Es gibt keinen stärkeren, schöneren Kontrast als den weißen Medizinmann/Doktor bei der Versorgung farbiger Eingeborener. Er hat dort noch die Aura des Heiligen einer modernen Welt.

 

Große Arzneien

ASPIRINMythische Medikamente:

Aspirin - Geschichte

Aspirin wurde zum generischen Begriff für Kopfschmerzmittel

 

 

Übergang patentierter Namen in den allgemeinen Wortschatz

 

vgl. Stille Kapitel über Pharmazeutik in der griechischen Mythologie

 

Toellner, S. 1706:

"Auf seiner Suche nach einem Rheumamittel, das sich besser als Salizylsäure vertragen ließe, hatte Felix Hoffmann an ein Azetylderivat gedacht, nämlich die Azetylsalizylsäure, die schon 1859 H. von Glim dargestellt hatte; 1899 brachte die Firma Bayer aufgrund dieser Arbeiten das Aspirin auf den Markt. Seine schmerzstillenden und fieberwidrigen Eigenschaften haben sich nun schon seit fast einem Dreivierteljahrhundert bewährt."

 

CHININ

aus der Chinarinde (Abb. 1855, Toellner, S. 1703)

 

extraktive Chemie:

 

Toellner, S. 1700:

Pelletier entzieht der Ipecacuanha 1817 mit Magendie das Emetin, mit Caventou isoliert er aus der Brechnuß 1818 das Strychnin sowie 1819 das Brucin, aus der Herbstzeitlose endlich 1820 das Colchicin.

Nach vielen anderen Forschern nehmen nun Pelletier und Caventou die Darstellung der Chinarindenwirkstoffe in Angriff. 1811 hatte der Portugiese Gomès aus der grauen Chinarinde ein kristallines Produkt gewonnen, das man >Cinchonin< nannte; ob es jedoch eine Säure oder eine Base war, hatte er noch nicht feststellen können. 1820 zeigen Pelletier und Caventou, daß es sich um ein basisches Salz handelt. Wichtiger ist jedoch, daß sie das wirksamste Alkaloid dieser Rinden, nämlich das Chinin, isolieren."

Toellner, S. 1712:

"Die Chemotherapie der Malaria. - Nachdem Pelletier nud Caventou 1820 aus der Chinarinde das Chinin isoliert hatten, stellte dieses Alkaloid bis 1926 das einzige Malariamittel dar. ... " Dann Überschwemmung des Marktes mit einer Vielzahl von Produkten.

 

Hahnemanns Selbstversuch mit der Chinarinde 1790

Überprüfung der Wirksamkeit

Selbstversuch erzeugt Fieber - Entdeckung des homöopathischen Prinzips

 

 

DIGITALIN (DIGITOXIN)

Toellner, S. 1701:

Claude Nativelle 1869 aus den Blättern des roten Fingerhuts reines, kristallines D.

 

EAU DE COLOGNE

Meyer 1909:

spirituöses Parfüm, wird durch Auflösen ätherischer Öle in Spiritus dargestellt. Die Rezepte werden von den ca. 30 Fabrikanten in Köln, die fast sämtlich die Firma Farina führen, geheim gehalten, und wiederholt sind über die >Echtheit< des einen oder anderen Fabrikats Prozesse geführt worden. Die Fachliteratur besitzt eine Anzahl von Rezepten, die ähnliche Präparate liefern, ohne mit einer der Handelssorten völlig übereinzustimmen. Über die Geschichte des E. s. Farina.

 

 

PENICILLIN

Orson Welles "Der dritte Mann"

Toellner Die Antibiotika, S. 1709/10: (antimikrobielle Wirkung)

"Daß manche Stoffe die Bakterienentwicklung hemmten, hatte man mehrfach beobachtet; das erstemal konstatierte es Pasteur1877. Im allgemeinen wird jedoch Sir Alexander Fleming die Entdeckung des ersten Antibiotikums zugeschrieben. 1928 bemerkte er, daß eine seiner Staphylokokkenkulturen durch einen Schimmelpilz kontaminiert und zerstört worden war. Er isolierte den Pilz und ordnete ihn in die Gattung Penicillum ein. (Thom sollte ihn 1945 als Penicillum notatum identifizieren.) Den in der Kulturbrühe gelösten Wirkstoff konnte Fleming zwar nicht aussondern, aber er nannte ihn Penicillin.

Zehn Jahre später, 1938, gelang es Sir Walter Florey und Ernst B. Chain in Oxford, eine kleine Menge fast reines Penicillin zu erhalten und dessen staphylokokkenwidrige Wirkung zu bestätigen. Während des zweiten Weltkrieges entwickelten die Amerikaner ein Auszugsverfahren, das sich für die industrielle Herstellung des Antibiotikums eignete.

Später erhöhte man dessen Ausbeute, indem man...

... "

1710/11:

"Keine Präparate haben jemals so viel Erfolg gehabt wie die Antibiotika. Während man1945 nur einige Dutzend Kilogramm Penicillin herstellte, beträgt nach nur dreißig Jahren die heutige Weltproduktion an Antibiotika für therapeutische Zwecke Hunderte von Tonnen. Entsprechend sanken sie auch im Preis.

 

PREDNISOLON / KORTISON

Toellner, S. 1711:

Die entzündungshemmende Wirkung des Kortisons (chemisch 17-Hydroxy-11-dehydrocorticosteron) entdeckte Philipp S. Hench.

...

Zum Beispiel wirkt das fluorierte und hydrogenierte Derivat besser gegen Entzündungen als das Kortison selbst, doch hält es leider auch verstärkt Natrium zurück. Andere Modifikationen am Molekül ergaben nacheinander das Prednisolon, das Triamcinolon und das Dexamethason.

 

VITAMULTIN S.F. (Sonderanfertigung Führer)

Gold-Vitamultin-Täfelchen

E.G. Schenck Patient Hitler - Eine medizinische Biographie, S. 447/48:

a) >Pervitin<-Abhängigkeit? ...

Dem heutigen Erkenntnisstand zufolge wurde >Vitamultin S.F.< von Morells Chefchemiker Dr. Kurt Mulli im Laboratorium der Hamma-Werke entweder in Olmütz oder Hamburg persönlich lediglich in kleinen Mengen hergestellt.7 Über die jeweilige Zusammensetzung fand niemals ein Schriftwechsel statt, Rezepturen bzw. Deklarationen liegen nicht vor. Allem Anschein nach wurden diesezügliche Entscheidungen bei den fast allnächtlichen Telefongesprächen zwischen Morell und Mulli getroffen. Hitler beanstandete mehrmals Geschmack, Konsistenz, Kakaogehalt dieses von ihm geschätzten Kräftigungsmittels, was auf dessen unterschiedliche Zusammensetzung schließen läßt. Heute komme ich zu der Ansicht, daß nicht sämtliche, sondern aus irgendwelchen Gründen lediglich einige Chargen des >Vitamultin S.F.< >Pervitin< enthielten.

Die Zumengung eines hochwirksamen Medikamentes zu einem Nährmittel oder sogar einer Süßware lag zu damaliger Zeit nicht außerhalb der Vorstellungen. So wurden z.B. Pralinen auf den Markt gebracht und schließlich vom Reichsgesundheitsamt verboten, die geradezu toxische Pervitinmengen enthielten, und durch die Militärärztliche Akademie wurde ein Kraft-Präparat der Firma Tengelmann geprüft und schließlich für die Verwendung bei der Truppe als unggeignet befunden, das 3 mg Pervitin enthielt.8

 

Vitamine

Toellner, S. 1704:

Die 1934 von Tadeus Reichstein zum erstenmal synthetisierte Askorbinsäure (Vitamin C) wird heute in der Industrie halbsynthetisch aus Glukose hergestellt.

 

 

BASF: Januar 1996, Bekanntgabe, daß in Dänemark Tochtergesellschaft gegründet wird, die zweitgrößter Vitaminhersteller der Welt ist.

 

 

Industrielle Produktion:

Abb. Herstellung pharmazeutischer Produkte in einem keimfreien Raum.

Toellner,S. 1714 Abb. 1867

 

 

"Die Produktion von pharmazeutischen Produkten in Großbetrieben ist kein Ergebnis der neuesten Zeit. Schon im14. Jahrhundert wurden in Venedig chemische und pharmazeutische Präparate fabrikmäßig hergestellt und exportiert. Auch die von den Klöstern hergestellten Arznei- und Geheimmittel waren im Großbetrieb angefertigt und weit über den direkten Einzugsbereich des Klosters hinaus vertrieben worden. ...

Je mehr jedoch Präparate Eingang in den Arzneischatz fanden, deren Herstellung kompliziert und für den einzelnen Apotheker beschwerlich war, desto mehr fabrikähnliche Betriebe entstanden, so die des Apothekers Karl S.L. Herrmann, der Ende des 18. Jahrhunderts in Schönebeck eine chemische Fabrik für Arznei-, Grundstoffe und technisch gebrauchte Chemikalien begründete.

Den eigentlichen Aufschwung erlebte die pharmazeutische Industrie indes im 19. Jahrhundert. ... " (Technik und Medizin, S. 264)

"Die Entstehung der pharmazeutischen Industrie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts läßt sich aus drei Wurzeln ableiten:

1. Apotheken entwickelten sich über eine Manufaktur und über ein Kleinunternehmen bis hin zur pharmazeutischen Industrie.

2. Fabriken, die ursprünglich als chemische Fabriken oder als Farbfabriken gegründet worden waren, wandten sich mehr und mehr auch der pharmazeutischen Produktion zu.

3. Einzelne Unternehmen wurden als Fabriken zur Herstellung von Heilmitteln gegründet.

Zur ersten Gruppe gehören die Unternehmen Merck, Schering und Abbott, zur zweiten Hoechst, Bayer und Ciba-Geigy, zur dritten Hoffmann-La Roche oder Eli Lilly." ...

"Durch die Produktion in pharmazeutischen Betrieben hat sich auch die Darreichungsform der Arzneimittel weitgehend verändert. Waren Pulver und Pillen seit altersher die typischen Darreichungsformen, so verschwanden die ersteren ganz aus der Produktion, während die letzteren industriell gefertigt wurden. Während früher der Apotheker seine Pillen einzeln mit der Hand gedreht hatte, kamen nun Maschinen auf den Markt, die die einfachen Techniken industrialisierten. Zwar wurden zunächst zahlreiche Handarbeiter eingesetzt,

Die Mechanisierung dieses Prozesses führte schließlich zu einer Arzneidarreichungsform, die es vorher nicht gegeben hatte: die Tablette. 1878 wurde sie, und mit ihr der Begriff, von der Wellcome Company in England eingeführt. Die erste handbetriebene Maschine war noch von einem Uhrmacher gefertigt worden, der sie zur Wiederverwertung von Bleiabfällen erfunden hatte. Er hatte um die Mitte des Jahrhunderts seinen Apparat auch schon zum Pressen von Arzneistoffen benutzt."

(Technik und Medizin, S. 272/273)

 

 

 

 

Patente versus Warenzeichen

gerichtliche Auseinandersetzungen schon 1566-1650

um das Antinom

Toellner, S. 1698:

"Bekanntlich kam es um das Antimon zu heftigen Auseinandersetzungen: seine Gegner, unter denen Guy Patin als eifrigster hervortrat, ließen es 1566 und 1615 vom Pariser Parlament verbieten. Seine Befürworter bekamen aber doch das letzte Wort, indem sie1650 erreichten, daß die vorigen Entscheide für nichtig erklärt wurden. Ein erneuter Erlaß von 1688 garantierte den Ärzten das Recht zur Antimonverordnung."

WAHRIG

'Antimon: chem. Element, ein Metall, silberweiß, glänzend, in Legierungen von Letternmetall u. für lichtelektr. Zellen verwendet.

 

 

 

 

Schluß des Referats:

Ich komme zum Schluß und für mich bleibt die

Frage, ob diese Institution hier mich noch weiter fest oder soll man sagen gefangenhalten soll

oder ob ich mich ganz meinen sterilen weißen Träumen von Galeriewänden hingeben sollte

aber vielleicht sind offene Fragen die schönsten Fragen

Vielleicht gibt es Fragen aus dem Publikum, ich werde versuchen sie zu beantworten, vielleicht auch nur Anregungen oder weitere Hinweise, das wäre umso besser.

 

Bibliographie:

 

 

Bernhard, Thomas (1982) Beton. Frankfurt/Main: Suhrkamp.

 

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Schneider, Wolfgang (1985) Wörterbuch der Pharmazie Bd.4: Geschichte der Pharmazie, Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft. {AGB}

 

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zu erledigen:

BKA schreiben

Adresse in Zeitschrift

Ecstasy Plakat

 

Abbildung für Duchamps "La pharmacie"

 

im Meyer

in Toellner Illustrierte Geschichte der Medizin

Pille, Tablette, etc. nachschauen

 

Dia Film machen

 

Videokassette überspielen

 

Schivelbusch besorgen

 

Dieter Daniels e-Mail-Adresse ?

 

Michael Simon, Münster "Symbole helfen heilen" - Vortrag auf dem Volksmedizinkongreß

 

Fabre, R.; Dillemann, G. (1971) Histoire de la pharmacie. Paris: P.U.F. coll. >Que sais je?<

 

Placebo-Artikel in British Medical Journaln, Sommer 1984

 

Abb. Homöopathischer Gerätschaften in Über das Leben von Samuel Hahnemann

 

weitere Quellen:

 

DHU (Deutsche Homöopathische Union) Tel. 0721 409301 - 76227 Karlsruhe - Ottostraße

Fr. Dr. Heger

 

Bayer Leverkusen Fr. Schmitzke